Wer macht wen nass? Aicher & Shiffrin. © Tanecek/Imago
Kvitfjell/Hafjell – Emma Aicher packte ihre Siebensachen zusammen, nach Feiern war ihr nicht zumute. Zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden hat die beste deutsche Skirennfahrerin einen Podestrang im Weltcup und damit eine mögliche große Aufholjagd im Kampf um die Gesamtwertung verpasst. Beim Super-G von Kvitfjell wurde sie Vierte, tags zuvor hatte es in der Abfahrt nur zu Rang fünf gereicht. Die Chance auf die große Kristallkugel ist zwar noch da – bei den letzten Events ist Aicher gegen US-Ass Mikaela Shiffrin aber Außenseiterin.
Die Ski-Königin atmete auf. „Ich bin in einer besseren Situation als ich erwartet habe“, stellte sie fest. 45 Punkte Vorsprung nimmt sie mit in die letzten beiden Saisonrennen. „Ich hatte gedacht“, sagte sie, „dass Emma hier die Führung übernehmen kann.“ Tat sie nicht.
Und tatsächlich konnte Aicher auch erst mal nicht verbergen, dass sie enttäuscht war von sich selbst. „Ich bin“, gestand sie nach dem Super-G ein, „nicht wirklich glücklich mit meinem Skifahren. Ich weiß, ich kann es besser.“ Das kann Aicher in der Tat, vor allem aber ist die fehlende Konstanz der Grund, warum sie noch keine Kristallkugel gewonnen hat, zum Beispiel im Super-G: zwei Siege, ein zweiter Platz – aber auch dreimal ausgeschieden.
Der Kampf um den Gesamtweltcup könnte daher schon am Dienstag entschieden sein, nach dem finalen Slalom (10.30 und 13.30 Uhr/ZDF und Eurosport) in Hafjell. Shiffrin hat in dieser Disziplin Olympia-Gold in Cortina d‘Ampezzo und acht von neun Weltcup-Rennen in dieser Saison gewonnen. Siegt sie ein neuntes Mal, müsste Aicher mindestens den vierten Platz belegen, um die Entscheidung auf den Riesenslalom am Mittwoch (9.30 und 12.30 Uhr) zu verschieben.
Aicher hat im Normalfall keine echte Chance mehr auf die große Kristallkugel – es sei denn, Shiffrin versagen komplett die Nerven. Und so sagt sie auf die Frage nach dem Gesamtweltcup: „Ich versuche, da nicht dran zu denken. Ich versuche, mich auf mein Skifahren zu konzentrieren – und dann schau‘n wir mal.“ Eine Einstellung, mit der sie bestens gefahren ist in dieser Saison, die nicht nur wegen zweimal Silber bei Olympia schon außergewöhnlich ist.
Tatsächlich wäre Emma Aicher nicht Emma Aicher, hätte sie sich nach dem Super-G lange gegrämt. Vielmehr dauerte es nicht lange, da alberte sie schon wieder herum, gemeinsam mit Kira Weidle-Winkelmann und den Trainern wälzte sie sich im Schnee – es gab ja auch etwas zu feiern. Nach Rang zwei im Abfahrtsweltcup nun Rang drei im Super-G-Weltcup – das fand dann auch Aicher „amazing“, also toll. Genau wie Mikaela Shiffrin.
„Ich habe vor dem Wochenende gesagt, dass alles, was passiert, nur noch ein Bonus ist“, schilderte Aicher. „Vor einem Jahr war ich ja noch nirgends im Vergleich. Ich bin schon sehr stolz, dass das so ist.“ Ihre Saison ist schon jetzt ein Erfolg, egal ob mit oder ohne Kugel. Das Allround-Talent gehört die Zukunft, das hatte auch schon Shiffrin betont.SID, DPA