„Die ganze Saison im Playoff-Modus“

von Redaktion

Münchens Torhüter Antoine Bibeau über das beständigste Jahr seiner Karriere

Das aktuelle Torwarttrio des EHC: Antoine Bibeau (l.) geht als Nummer eins in die Playoffs, die Backups für den Fall der Fälle sind Simon Wolf (Mitte) und Mathias Bittner. © Red Bull/City-Press

München – Der Name Antoine Bibeau war in der Deutschen Eishockey Liga vor der Saison unbekannt. Und das Erstaunen groß, als der EHC Red Bull München den 31-jährigen Kanadier nach einigen Wochen Spielbetrieb unter Vertrag nahm. „Am Anfang hat das keiner verstanden“, sagt Christian Winkler, der Sportchef des Clubs, „mittlerweile versteht es jeder“. Der als Stammtorhüter vorgesehene Mathias Niederberger hatte mehrmaliges und langwieriges Verletzungspech, so bestritt Bibeau – Spitzname „Bibs“ – die meisten Spiele (29). Er wird auch im Kasten stehen, wenn diesen Dienstag um 19 Uhr die Playoff-Viertelfinalserie gegen den ERC Ingolstadt beginnt.

Antoine, blicken wir mal in die NHL. Zu Connor Hellebuyck, Amerikas Olympiaheld, der bei den Winnipeg Jets spielt. Die vergangenen drei Jahre bei ihm: Überragende Hauptrunden, in denen er über 92 Prozent der Schüsse wegfischte, in den Playoffs der Absturz auf Werte um 87 Prozent, sein Team schied schnell aus. Was verändert sich für einen Torhüter in der entscheidenden Jahreszeit?

Für mich nichts. Wir haben in den vergangenen Monaten etliche Spiele gehabt, die sich nach Playoff-Hockey anfühlten. Durch Verletzungsausfälle waren wir häufig in der Situation, dass es darum ging, die Spiele irgendwie zu gewinnen. Also Playoff-Modus. Für mich persönlich heißt das, mental im Gleichgewicht zu bleiben, nicht zu hoch zu fliegen, nicht zu tief zu sinken. Diese Einstellung, die mich durch das ganze Jahr begleitet, versuche ich einfach beizubehalten.

Wenn man in Ihrer Karriere gräbt, findet man in der Saison 2013/14 eine Auszeichnung zum wertvollsten Spieler in den Playoffs – Sie waren damals gerade 20 und spielten noch bei den Junioren in der Quebec-Liga. Ihre schönste Playoff-Erinnerung?

Ja, wir gewannen mit den Val d‘Or Foreurs den Pokal und ich eben die individuelle Auszeichnung, da habe ich sicher mit das beste Eishockey meiner Karriere gespielt. Aber zwei Jahre später hatte ich als Profi mit den Toronto Marlies in der American Hockey League auch einen tiefen Playoff-Run bis ins Halbfinale.

Ihre Saison in München läuft prima.

Das war die beständigste Saison, die ich in meinem Leben gespielt habe. Wenn das Kriterium für den Torhüter ist, dass er seinem Team an jedem Abend die Chance gibt, das Spiel zu gewinnen, dann hatte ich nicht viele Aussetzer…

Trainer Oliver David bestätigt das, er meint, um ihre Fehler aufzuzählen, würden die Finger einer Hand ausreichen.

Als ich unterschrieben habe, war das Ziel, der Mannschaft in München zu helfen. Dass ich so viele Spiele bekomme, damit hatte ich nicht gerechnet. Aber die Verletzung von Mathias hat mir die Tür geöffnet. Unglücklich für ihn, aber die Chance für mich. Es war und ist eine gute Saison.

Wie lange dauerte die Adaption an die DEL?

Gar nicht so lange. Ich habe ja schon die zwei Jahre davor in Europa gespielt, in Schweden und Finnland. In Deutschland sind so viele Spieler aus Nordamerika, dass man sich wirklich schnell und leicht eingewöhnen kann. Die Mitspieler, die Organisation, die Stadt – in München fiel mit alles recht leicht.

Nehmen Sie uns mal mit in die Torhüterwelt. Wenn Sie wie jetzt dann gegen den ERC Ingolstadt spielen – erkennen Sie da in Ihrem Kasten, welche Spieler auf Sie zugerauscht kommen? Riley Barber etwa, der Tortorjäger der DEL?

Ich war nie der Typ Goalie, der einen zu großen Fokus auf die gegnerische Mannschaft legt – das bringt mir nichts. Ich weiß natürlich, wer Riley Barber ist, mir sind auch die anderen guten Spieler der Liga ein Begriff, doch wichtig ist für mich nur, ob einer links oder rechts schießt, denn das lässt mich berechnen, wie und wohin ihre Schüsse kommen. Ich habe gemerkt, dass ich am besten spiele, wenn ich mich von zu vielen Überlegungen frei mache. Das ist der Schlüssel zu meinem Erfolg in diesem Jahr.

Ihre grundsätzliche Einschätzung von Ingolstadt, das einen Platz hinter dem EHC abschloss?

Gutes Team, schnell, eine der besten Offensiven der Liga. Wir haben eine positive Bilanz gegen sie in dieser Saison (drei Siege, eine Niederlage, d. Red.), aber das wird schon eine Herausforderung und kann zu einer hart umkämpften Serie werden.

Gegen Riley Sheen, einen der gefährlichen ERC-Stürmer, haben Sie schon in Schweden gespielt.

An ihn kann ich mich kaum erinnern. Mit Verteidiger Alex Breton habe ich in Nordamerika gespielt, Morgan Ellis kenne ich sehr gut, auch Matt Boucher, den sie kürzlich noch verpflichtet haben.

Sie wurden erst mal für diese Saison verpflichtet. Was machen Sie in der kommenden?

Jetzt spielen wir erst mal die Playoffs, und dann arbeiten wir heraus, was die Optionen sind. Aber ich kann sagen: Ich fühle mich wohl hier.

INTERVIEW: GÜNTER KLEIN

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