ZUM TAGE

Kein Weltuntergang? Ein bisserl schon!

von Redaktion

Deutsches Biathlon-Desaster

Man stelle sich ein Jahr vor, in dem Tennis-Ass Carlos Alcaraz kein Turnier gewinnt. Oder eine Saison, in der Ferrari kein Grand-Prix-Podest erreicht. Oder, um dem deutschen Biathlon-Team näher zu kommen: einen folgenden Winter ohne Stockerl und Sieg von Ski-Juwel Emma Aicher. Die Laune wäre bei allen Betreffenden, vorsichtig ausgedrückt, alles andere als gut. Der scheidende DSV-Sportdirektor Felix Bitterling wollte sich der medialen „Weltuntergangsstimmung“ dennoch nicht anschließen. Trotz des historisch schwachen Abschneidens von 69 Rennen ohne Sieg. Neunundsechzig!

Auch die Podestplatzausbeute (neun) ist überschaubar. Vergangene Saison waren es noch deren 24. Wobei 13 Stockerl-Ergebnisse alleine auf das Konto von Franziska Preuß gingen – sie hat also bereits damals etliche Probleme kaschiert.

Herren-Chef Uros Velepec trat vor einem Jahr nach einer enttäuschenden WM freiwillig zurück. Doch unter Tobias Reiter wurde nichts besser. In Philipp Nawrath war nur ein Mann in der Lage, in die Medaillenränge zu laufen. Der Rest landete oft unter ferner liefen, ebenso die Herren-Staffel. Eine Erfolgsbilanz liest sich anders. Reiter (und Jens Filbrich) dürfen dennoch weitermachen.

Immerhin bei den Damen gibt es einen Wechsel. Kristian Mehringer, seit acht Jahren im Amt und dabei mit wahrlich besseren Ergebnissen, wird auf eine „wichtige“, noch zu findende Stelle weggelobt. Ein Klassiker beim Deutschen Skiverband. Aus Leistungssicht diskutabel, denn ein Trainer muss im Spitzensport nun mal den Kopf für die Leistungen hinhalten. Menschlich hingegen vorbildlich.

Die Welt dreht sich zum Glück auch weiter, selbst wenn das DSV-Team nicht einmal mehr unter die besten 30 kommen sollte. Aber für den Biathlon-Standort Deutschland, dem einzigen mit zwei Weltcuporten, sind die Ergebnisse schon sehr desaströs – und zu wenig, gemessen an der Förderung. Ein Weiter-so darf es deshalb nicht geben.

Frag nach bei Alcaraz. Der trennte sich zum Jahreswechsel trotz anhaltender Erfolge von Coach Carlos Ferrero.

Artikel 1 von 11