Dribbelkönig Chris Führich. © dpa/Harry Langer (2)
Dreh- und Angelpunkt Angelo Stiller. © Harry Langer
Augsburg – Fabian Wohlgemuth verkrampfte, obwohl er nach dem 5:2-Sieg beim FC Augsburg allen Anlass zur Lockerheit gehabt hätte. Während des Sonntagabend-Spiels der Bundesliga war das Gerücht umgegangen, der Stuttgarter Angelo Stiller, bei der Kader-Bekanntgabe am Donnerstag noch abgewiesen, würde nun doch zu den nächsten Länderspielen der Nationalmannschaft eingeladen. Und sicher hatte doch auch Wohlgemuth, Sportvorstand beim VfB, davon erfahren. Indes, er sagte schmallippig: „Das ist Sache des DFB. Eine andere kommunikative Ebene.“
Klar, es gibt Absprachen, wer was vermeldet, doch wenn die beteiligten Parteien der VfB Stuttgart und Julian Nagelsmann sind, dann werden die Goldwaagen aufgestellt, um das Gewicht der Worte zu ermitteln. Die Beziehung ist wegen einiger Personalien gerade wieder kompliziert.
Grundsätzlich schätzt der Bundestrainer die Arbeit des VfB Stuttgart und speziell die von Coach Sebastian Hoeneß. Die Schwaben sind einer der fleißigen Zulieferbetriebe für die DFB-Auswahl – anders als etwa Bayer Leverkusen, das nach dem Weggang von Florian Wirtz nach Liverpool und Jonathan Tah zu den Bayern derzeit niemanden zu bieten hat. Schon bei der EM 2024 griff Nagelsmann auf etliche Stuttgarter zurück. Damals: Waldemar Anton (inzwischen in Dortmund), Maxi Mittelstädt, Chris Führich, Deniz Undav. Mittelstädt spielte im Turnier regelmäßig, die anderen waren mit ein paar Minuten zufrieden.
Im Aufgebot für die nun anstehenden Partien in der Schweiz (Basel am Freitag) und in Stuttgart (am Montag gegen Ghana) war der VfB zahlenmäßig erneut gut vertreten – mit zunächst Torwart Alex Nübel, Josha Vagnoman, Jamie Leweling und Undav. Und dennoch: Harmonisch verlief die Nominierung nicht. Den Verzicht auf Angelo Stiller, beim VfB der unumstrittene Sechser, begründete er damit, dass er ihn „nicht in der ersten Elf sehe – und dahinter besetzen wir die Plätze anders“. Er sprach von „Erfahrungswissen, nach dem wir entscheiden müssen: Passt er in diese Rolle? Menschen sind gemacht für bestimmte Rollen.“
Eine Dauer-Hakelei hat sich auch zwischen Nagelsmann und Undav entwickelt. Zuletzt entstand in der Öffentlichkeit der Eindruck, der Bundestrainer ignoriere den Angreifer einfach. Undav hatte kürzlich noch gesagt, es bestehe kein Kontakt – wobei Nagelsmann nun offenbarte, dass Undav ihn nach einem Gespräch im Dezember gebeten habe: „Ruf mich erst wieder an, wenn du mich nominierst.“ Bei Undav ist der Bundestrainer aber bereit, über „seine charmante Art“ hinwegzusehen, hier gefällt sich Nagelsmann in der Rolle des Klassenlehrers, der dem Kobold der hinteren Bänke einiges durchgehen lässt. Undav, der in Augsburg mit zwei Treffern seine Bundesliga-Bestmarke einstellte (18), darf forsch in eigener Sache werben: „Der Bundestrainer weiß, dass ich auf der Zehn und der Neun effektiv bin – gut für ihn.“
Nach dem 5:2 warb Deniz Undav auch für drei Mitspieler. Für Angelo Stiller, „der unser überragender Spieler ist – das kann ich nicht oft genug sagen“. Für Maxi Mittelstädt, „der immer am Verteidigen ist“ – und der auf der linken Seite mit Chris Führich („Großartig im Eins gegen Eins, nicht zu kontrollieren, kann außerdem rechts und auf der Zehn spielen“) ein starkes Duo bildet.
Mittelstädt ist seit der WM-Qualifikations-Niederlage in der Slowakei draußen, doch mit den Vorschlägen Stiller und Führich konnte sich Undav durchsetzen. Am Montagvormittag übernahm der DFB die Kommunikation: Die beiden Stuttgarter wurden für die verletzten Pavlovic (Bayern) und Nmecha (BVB) nachnominiert.GÜNTER KLEIN