Sektdusche trotz Pleiten

von Redaktion

Das deutsche Biathlon steht vor dem Neuanfang – Frauen-Trainer Mehringer gibt Posten ab

Noch einmal Grund zum Jubeln: Das deutsche Biathlon-Team feiert den zweiten Platz von Philipp Nawrath. Dieses Ergebnis täuscht aber nicht über den ansonsten enttäuschenden Winter. © Instagram

Oslo/Ruhpolding – Die große Party der Biathletinnen mit Sektdusche für die Trainer erinnerte ein wenig an die Sause aus dem vergangenen Jahr, als das deutsche Team den Gesamtweltcupsieg von Franziska Preuß begoss. An diesem Wochenende gab es zwar erneut annehmbare Leistungen, die aber nicht das historisch schlechte Abschneiden verhinderten. Man könnte die Feierbilder auch so interpretieren: Endlich ist die Saison vorbei.

Kein Sieg, nur ein Podestplatz von Preuß, zwei weitere dritte Plätze in der Frauen-Staffel und bei Olympia blieben die Frauen komplett ohne Medaille – so lautet die bittere Bilanz der Biathletinnen. Die Mannschaft um Vanessa Voigt, die nicht nur bei Olympia knapp am Stockerl scheiterte, Janina Hettich-Walz sowie die Nachwuchshoffnungen Julia Tannheimer und Selina Grotian steht vor einem Neuanfang.

Dieser wird aber nicht unter Cheftrainer Kristian Mehringer vorangetrieben. Acht Jahre lang war der Ruhpoldinger für die sehr erfolgreiche Frauen-Mannschaft verantwortlich. Dem Deutschen Skiverband (DSV) soll der 44-Jährige laut dem scheidenden Sportdirektor Felix Bitterling in einer „wichtigen Position“ erhalten bleiben. Auch Mehringers Trainer-Kollege Sverre Olsbu Röiseland, der seit 2022 für den DSV arbeitet, verlässt das Team. Die Geburt seines zweiten Kindes steht an. Bitterling: „Derzeit passen das, was wir in unserem System benötigen, und seine private Situation nicht so wirklich zusammen. Wir haben das Gefühl, dass wir zu wenig Sverre haben und er hat das Gefühl, dass er zu viel weg ist von zu Hause.“

Sein Sportdirektor-Nachfolger, Bernd Eisenbichler, wird wohl bald den neuen Frauen-Cheftrainer vorstellen. Das Ziel offensichtlich: Das Team, das erstmals in der Nationenwertung nur den fünften Platz belegt hat, soll wieder auf das Podest und um Siege mitkämpfen können.

Olympiasiegerin Denise Herrmann-Wick plädiert für erfahrene Personen, die „schon an Weltklasse-Athletinnen gezeigt haben, dass sie die zu diesem nächsten Schritt rüberbringen können in Sachen Weltspitze“. Genau diesen Schritt konnten Tannheimer und Grotian nach dem starken Winter vor einem Jahr eben nicht gehen.

Bei den Männern hätte beinahe Philipp Nawrath die erste sieglose Saison des DSV verhindert, im abschließenden Massenstart in Oslo holte er Silber. Doch mit Ausnahme des Routiniers liefen auch die deutschen Biathleten meist den Erwartungen hinterher, häufig landeten Justus Strelow, Philipp Horn und Co. im sportlichen Niemandsland. Hier startete der Neuanfang bereits im vergangenen Jahr, nachdem Tobias Reiter die Nachfolge von Uros Velepec angetreten hatte.

Sein Ziel ist es, den Umbruch zu bewerkstelligen. Das aktuelle Team hat den Altersdurchschnitt von 30 überschritten, Talente wie Leonhard Pfund (22), der seit Nove Mesto zum Weltcup-Kader gehört, sind Mangelware. David Zobel sieht hier den Hauptgrund, warum es aktuell nicht zur Weltspitze reicht. „Man muss ja bloß schauen, wie viele Nachwuchssportler haben die Franzosen. Die gehen da Richtung 200 und bei uns sind es 50. Ja, dann brauchst du halt das eine Übertalent, ansonsten wird es schwierig“, sagte er während den Olympischen Spielen.

Das Trainer-Duo Reiter und Jens Filbrich werden den gemeinsamen Weg fortführen. Bitterling mahnt zur Geduld: „Da ist viel Gutes passiert. Es braucht Zeit, Ausdauer und ein bisschen Vertrauen.“

Die Biathleten machen jetzt Pause, Hettich-Walz „will jetzt erst mal eine Weile nur Mama sein“, bevor im Sommer dann der Grundstein für die kommende Saison gelegt wird. Die Lücke zu den Topnationen ist groß.ALEXANDER VORMSTEIN

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