„Dann beginnen die Psychospielchen“

von Redaktion

Bayerns Torfrau Mahmutovic über das Duell mit Manchester United um Lea Schüller

„Der Beste“: Mahmutovic auf dem Rathaus mit Manuel Neuer. © Insta

DFB-Kolleginnen: Mahmutovic mit Ex-Bayern-Spielerin Lea Schüller. © Fantini/Imago

Aus dem Weg, hier kommt Ena: Mahmutovic überzeugt im Tor. © Gamel/Imago

Torhüterin Ena Mahmutovic steht vor dem bislang wichtigsten Spiel der Saison: Im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales treffen die Frauen des FC Bayern heute (21 Uhr) auf Manchester United – und ihre ehemalige Teamkollegin Lea Schüller. Im Interview spricht die 22-Jährige über das besondere Duell und den Titel-Traum.

Ena Mahmutovic, was erwartet Sie bei Manchester United?

Eine sehr spielstarke Mannschaft, die in England in der Tabelle ganz vorne dabei ist. Manchester United hat gerade das Finale im League Cup knapp gegen Chelsea verloren. Sie haben sehr viel Qualität in der Mannschaft und mit Lea Schüller und Julia Zigiotti Olme zwei Spielerinnen im Kader, mit denen ich bis vor kurzem beim FC Bayern zusammengespielt habe. Vor allem mit Lea ist es sehr besonders. Dass wir jetzt so schnell gegeneinander spielen, ist schon ein bisschen komisch. Aber es wird auf jeden Fall cool werden! Wir haben bei der Nationalmannschaft darüber gesprochen. Lea freut sich natürlich, uns alle wiederzusehen.

Ist es ein Vorteil für Sie, eine gegnerische Stürmerin und ihr Spiel gut zu kennen?

Es schadet nichts. Aber dann beginnen natürlich diese Psychospielchen. Denkt sie, dass ich weiß, wo sie gerne hinschießt, und schießt deshalb woanders hin? Ihr Abschluss ist in beide Ecken Weltklasse. Deshalb sollte ich nicht darüber nachdenken und einfach auf ihre Schüsse reagieren.

Die Chance, ins Halbfinale einzuziehen, erscheint so groß wie lange nicht. Nehmen Sie die Favoritenrolle an?

Wir haben zwar mehr Erfahrung in der Champions League, aber wir sehen uns nicht als Favoritinnen. Wir wissen, dass es zwei Spiele auf Augenhöhe werden. Der FC Bayern war seit fünf Jahren nicht mehr im Halbfinale, das ist ein großes Ziel, für das wir alles geben.

Die CL-Saison hat denkbar schlecht angefangen, mit der 1:7-Niederlage in Barcelona. War es das schlimmste Spiel Ihrer Karriere bisher?

Nein. Mein schlimmstes Spiel war mein Debüt in der Nationalmannschaft gegen Italien im Dezember 2024, da habe ich mir beim 1:1 ein Tor selbst reingelegt. Aber ja, mit dem FC Bayern sieben Tore zu kassieren, ist nicht normal. In der Bundesliga bekommen wir wenig Gegentore, oft spielen wir zu null. Ich konnte bei den Gegentoren wenig machen, aber den Ball sieben Mal aus dem Netz zu holen – das war für uns alle bitter. Aber das Wichtige war, dass wir aus diesem Spiel sehr viel gelernt haben und danach eine Serie gestartet haben.

Einen Monat später gegen Arsenal lagen Sie früh 0:2 zurück und drehten die Partie in ein 3:2. Ein Schlüsselmoment der Saison?

Der Schlüsselmoment war für mich das Spiel in Wolfsburg, drei Tage nach der Niederlage in Barcelona. Da mussten wir gewinnen und beweisen, dass wir nicht so schlecht sind, wie es in Barcelona vielleicht aussah. Mit dem 3:1-Sieg in Wolfsburg hat unsere Serie dann begonnen. Wir haben dann in der Champions League Juventus Turin besiegt und der Erfolg gegen Arsenal war natürlich auch sehr wichtig für uns.

Im Rückspiel gegen Manchester United am 1. April werden die Bayern-Frauen in die Allianz Arena zurückkehren. Das letzte Spiel dort war das Arsenal-Duell, welchen Anteil hatten die Fans an der Aufholjagd?

Nachdem Alara in der 67. Minute den 1:2-Anschlusstreffer erzielt hatte, haben uns die Fans getragen. Das war sehr wichtig für uns, nach den Toren von Pernille und Glodis hat man gemerkt, welche Stimmung in der Allianz Arena entstehen kann. Wir spielen gerne am Campus, das ist unsere Heimspielstätte. Aber auch in der Allianz Arena spüren wir mittlerweile unseren Heimvorteil. Ich denke gerne an den ersten Spieltag der Bundesliga zurück, als 57.762 Fans im Stadion waren. Das war enorm, das werde ich niemals vergessen. An dieses Spiel erinnern wir uns alle gerne. Jetzt sind bereits über 15 000 Tickets verkauft worden – wir alle freuen uns auf möglichst viele Fans, um einen großen Abend zu erleben.

Trainer José Barcala hat gesagt, dass der Spielaufbau unter Druck eine Ihrer großen Stärken ist. Was genau wird von Ihnen erwartet?

Ich bin eine Torhüterin, die gerne mitspielt und sehr gerne in den Spielaufbau eingebunden ist. Ich soll mein Spiel durchziehen, weil ich mit dem Ball am Fuß meine Stärken habe. Ich soll den Gegner kommen lassen, Ruhe bewahren, bis ich gepresst werde. Dann versuchen wir unsere Lösungen zu finden.

Dazu passt auch die Geschichte, dass Sie im Mai 2020 Ihr Bundesliga-Debüt für den MSV Duisburg im Alter von 16 Jahren als Feldspielerin gegeben haben. Wie kam es dazu?

Das lag nicht daran, dass ich eine so gute Feldspielerin bin. Es lag an der Corona-Situation damals, wir hatten nur noch 14 gesunde Spielerinnen im Kader, die zweite Torhüterin und ich haben auch ein Trikot für Feldspielerinnen bekommen. Da wir 2:0 geführt haben, bin ich in der Nachspielzeit eingewechselt worden, habe zwei Sprints gemacht, dann kam der Abpfiff. Das war trotzdem eine coole Geschichte, die mir niemand mehr nehmen kann.

Nach Ihrem Wechsel nach München im Sommer 2024 sind Sie erstmals dauerhaft ins Tor gerückt, als Mala Grohs im November wegen eines bösartigen Tumors ausfiel. Glücklicherweise konnte Grohs schnell wieder in den Kader zurückkehren und ist nun Ihre Konkurrentin. Wie ist das Verhältnis?

Wir verstehen uns gut, wir trainieren miteinander, wir pushen uns. Mala ist eine tolle Torhüterin, wir geben beide immer alles im Training. Es ist wichtig, dass man zwei gute Torhüterinnen hat. Wenn man alleine ist, leidet vielleicht auch die eigene Leistung darunter. Wenn man sieht, da ist noch jemand, der gut trainiert, hängt man sich umso mehr rein.

Mit dem DFB-Team steht im nächsten Jahr die WM in Brasilien an, danach wird Deutschlands Nummer eins, Ann-Katrin Berger, vielleicht ihre Karriere beenden. Ist es ihr Ziel die Nummer eins im DFB-Team zu werden?

Zunächst einmal möchte ich sehr gerne mit zur WM fahren. Das geht nur über die Leistungen beim FC Bayern. Solange die stimmen, kann ich mir Hoffnungen machen, mit nach Brasilien zu fliegen. Darüber hinaus möchte ich mir gar kein Ziel setzen. Im Fußball kann so viel passieren, Anne (Berger) ist erst mit 30 Jahren die Nummer eins geworden. Ich würde niemals den Anspruch stellen, die Nummer eins in Deutschland werden zu wollen. Mein Ziel ist es, mit dem FC Bayern sehr erfolgreich zu sein.

INTERVIEW: CHRISTIAN STÜWE

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