ZUM TAGE

Invest in Steine und Beine

von Redaktion

Der FC Bayern der Zukunft

Wie schnell die Zeit rennt, lässt sich manchmal am besten an Ereignissen festmachen. Und ja, tatsächlich ist es schon bald zehn Jahre her, dass der FC Bayern seinen Campus in Freimann eröffnet hat. Als strategische Antwort auf den Transferwahnsinn bezeichnete Uli Hoeneß das 70-Millionen-Projekt im Sommer 2017. Große Worte, große Ziele – aber wie man in den vergangenen knapp neun Jahren feststellen musste: auch eine große Herausforderung. Die Erkenntnis ernüchterte die Bayern-Bosse. Man hat es sich so gewünscht, aber: Steine machen halt nicht zwangsläufig und sofort Beine.

Die Unzufriedenheit über die zu weite Taktung der zu den Profis aufschließenden Jugendspieler köchelte in der Chefetage schon lange, war aber vor allem im vergangenen Sommer zu vernehmen. Und so darf man den Trend zur Jugend, der unter Vincent Kompany aktuell auffällig intensiv gelebt wird, durchaus als Ergebnis dieser Generalkritik aus den Mündern aller Bosse verstehen. Das „Basta“ aus dem Aufsichtsrat zu weiteren großen Einkäufen, der für den FC Bayern im Wettstreit mit Scheichs, Staaten und Investoren längst nicht mehr unkomplizierte Transfermarkt, die Verletzung von Superstar Jamal Musiala: Es gibt diverse Faktoren, die den Durchbruch von Lennart Karl begünstigt haben. Und es gibt diverse Jungs am Campus – unter Kompany haben bereits elf (!) Jungspunde debütiert –, die ihm nacheifern wollen.

Nicht alle werden es schaffen. Aber dass Geduld eine Tugend ist, die man sich auch in diesem irrwitzig schnellen Fußballgeschäft bewahren sollte, zeigt die erfreuliche Entwicklung am Campus schon. Dasselbe gilt übrigens auch für das nächste bauliche Mammutprojekt. Im Vorjahr wurde der millionenschwere Umbau des Leistungszentrums an der Säbener Straße aus Kostengründen noch zurückgestellt, 2026 aber sollen die Bagger rollen. Teuer, zeitintensiv – aber wieder ein Invest in die Zukunft, das sich lohnen wird. Wenn junge Spieler wissen, dass sie eine realistische Chance haben, und Superstars optimale Bedingungen vorfinden, ist das ein Pfund. Und in der Tat eine gute Antwort auf den allgemeinen Wahnsinn.

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