Verhaltener Jubel von Emma Aicher. © Poppe/EPA
Die kleine Kugel gehört schon mal Shiffrin. © Poppe/AFP
Hajfell – Emma Aicher drückte gewaltig aufs Tempo, zum Überholen aber reichte es nicht. Mit dem heißen Atem ihrer Verfolgerin im Nacken fuhr Mikaela Shiffrin beim Finale des alpinen Weltcups wieder mal einen Slalom wie aus einer anderen Welt, einen Tag vor dem Ende der Weltcup-Saison gelang der Ski-Königin aus den USA der wohl alles entscheidende Sieg im spannenden Kampf um den Gesamtweltcup.
Immerhin: Mit einem erneut herausragenden dritten Platz hat Aicher die Entscheidung noch einmal vertagt – bis zum Riesenslalom am Mittwoch (9.30 und 12.30 Uhr/ZDF und Eurosport). Allerdings: Um Shiffrin die große Kristallkugel noch zu entreißen, müsste Aicher, die im Riesenslalom noch nie besser als Vierte war, schon ihren ersten Sieg in dieser Disziplin feiern – und darauf hoffen, dass die Amerikanerin nicht unter die ersten 15 kommt.
„Es ist ein aufregender Kampf“, bekannte Shiffrin, nachdem sie und Aicher sich nach dem Rennen im Ziel der „Olympia-loype“ in Hafjell unweit von Lillehammer lange und innig umarmt hatten. Da breche gerade eine „neue Ära der größten Allrounderin“ an, betonte die beste Skirennläuferin der Gegenwart, sie sei „schon sehr gespannt“, was Aicher „in Zukunft“ leisten werde. „Aber erst mal fahren wir morgen noch ein Rennen“, sagte sie lachend.
Die Ausgangsposition für dieses Rennen hätte besser sein können für Aicher, doch zum wiederholten Male hatte sie in diesem Winter Pech mit den Hundertstelsekunden. Die zweitplatzierte Wendy Holdener aus der Schweiz lag 0,04 Sekunden vor der 22 Jahre alten Deutschen – macht einen Unterschied von 20 Punkten. „Es ist nervig“, sagte Aicher, „aber ich hoffe, ich kriege die Hundertstel irgendwann mal wieder zurück.“ Bei Olympia hatte sie Gold einmal um vier und einmal um fünf Hundertstel verpasst.
Shiffrin kann sich darauf vorbereiten, am Mittwoch am Fuße der Olympiapiste von 1994 die große Kristallkugel in den Händen zu halten, zum ersten Mal seit drei Jahren. Damit zöge sie gleich mit Rekordhalterin Annemarie Moser-Pröll aus Österreich. Bereits gewonnen hat Shiffrin in dieser Saison schon ihr drittes olympisches Gold und die kleine Kristallkugel für den Gesamtsieg im Slalom – der Sieg in Hafjell war ihr neunter im zehnten Weltcup-Rennen.
Auch Aicher muss sich freilich nicht grämen – auch wenn sie drauf und dran war, neben dem Gesamtweltcup auch die Kugeln in der Abfahrt und im Super-G zu gewinnen. Zweimal Silber bei Olympia, drei Siege, drei zweite und vier dritte Plätze im Weltcup, Zweite im Gesamtweltcup, Zweite in der Abfahrt und Dritte im Super-G – „sie hat“, betont DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier, „die Grundlage gelegt, eine richtig Große in diesem Sport zu werden“.
Bei den Männern patzte Marco Odermatt beim alpinen Finale und hat dadurch den Gewinn der Riesenslalom-Gesamtwertung verpasst. Der Schweizer schied nach einem Fahrfehler bereits im ersten Durchgang aus und musste im Finale tatenlos mit ansehen, wie der für Brasilien startende Lucas Pinheiro Braathen zum Sieg raste. Der Olympiasieger fuhr im fünften Riesenslalom-Weltcup nacheinander auf das Podest und zog im Gesamtklassement dieser Disziplin damit noch an Odermatt vorbei.DPA