Wahrscheinlich ist es sein letzter Anlauf auf den Titel: Moritz Müller spielt seit 2003 für die Kölner Haie, er kam nach der bis jetzt letzten Meisterschaft. © dpa/Marius Becker
Köln – Sein ganzes Eishockey-Leben hat Moritz Müller darauf gewartet. Endlich einmal Erster werden, den Titel gewinnen – das große Ziel könnte der Haie-Kapitän ganz am Ende seiner Karriere doch noch erreichen. Denn mit Köln geht der 39-Jährige als Topfavorit ins Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft.
Doch der ewige Zweite hat den Blick noch nicht auf die Endspiele in gut einem Monat gerichtet. „Wir sollten nicht zu weit vorausschauen“, sagte Müller vor dem Kölner Playoff-Auftakt am Mittwoch (19.30 Uhr/MagentaSport) bei den Schwenninger Wild Wings, „mit den Playoffs beginnt eine neue Zeit. Wir können uns für die Erfolge der Hauptrunde nichts mehr kaufen. Jetzt gilt es, sich da reinzuarbeiten.“ Dass Köln auswärts anfängt, hat mit dem Belegungsplan der Lanxess-Arena zu tun, seit Jahren ein Problem bei der Terminierung der Spiele.
Seit 2003 spielt der gebürtige Frankfurter für die Haie, die im Jahr zuvor ihren achten und bislang letzten Meistertitel gewannen. Viermal stand der Verteidiger mit Köln im Finale der Deutschen Eishockey Liga (DEL), viermal verlor er – zuletzt im vergangen Frühjahr mit drei 0:7-Klatschen in Folge gegen die Eisbären Berlin (damals schleppte Müller sich mit weher Schulter durch die letzten Partien). Außerdem spielte der 220-malige Nationalspieler zweimal mit Deutschland um Gold – und kehrte als Silberheld von Olympia 2018 und der WM 2023 heim.
Es ist aller Voraussicht nach sein letzter Anlauf, denn Müller, der im November 40 wird, hatte vor Saisonbeginn seinen Rücktritt angedeutet. „Ich habe ja gesagt, dass es sehr wahrscheinlich mein letztes Jahr sein wird“, bestätigte er jetzt: „Daran hat sich jetzt erst mal nichts geändert.“
So gut wie diesmal waren die Chancen auf einen Titel noch nie. Die Haie dominierten die Hauptrunde deutlich, sorgten mit 16 Siegen in Folge vor der Olympiapause für einen DEL-Rekord, auch danach ging es zunächst erfolgreich weiter – 20 Siege in 21 Spielen zwischen Mitte Dezember und Anfang März drückten eindrucksvoll die Überlegenheit des Tabellenführers aus, der erst am Ende etwas schwächelte, aber die Mannheimer Bestmarke von 2019 mit 116 Punkten noch einstellte.
Schwächen gibt es kaum: Die Haie haben die beste Offensive und das beste Powerplay mit dem dänischen Olympiateilnehmer Patrick Russell (früher bei den Edmonton Oilers in der NHL), der zusammen mit seinem kanadischen Sturmkollegen Gregor MacLeod auf 113 Scorerpunkte kam – meist gemeinsam auf dem Eis. Zwischen den Pfosten steht der DEL-Spieler des Jahres, Janne Juvonen, der im Oktober nachverpflichtet wurde und sich als Glücksgriff entpuppte: Der Finne, der die beste Fangquote und die meisten Shutouts hat und bei Siegen und Gegentorschnitt auf Rang zwei liegt, könnte im Titelkampf der entscheidende Faktor werden.
Und die Anweisungen gibt der Trainer des Jahres, Kari Jalonen, der in Finnland und der Schweiz insgesamt sechsmal Meister wurde und in seiner zweiten Saison am Rhein sein System mit dem passenden Personal perfekt umgesetzt hat. Eine deutliche strukturelle Verbesserung im Vergleich zur Arbeit seines Vorgängers Uwe Krupp. Auf insgesamt sechs Akteure aus Finnland kann Kari Jalonen in seinem Kader zurückgreifen. Bevor Jalonen in seine Heimat zurückkehrt, will er auch in Deutschland den Titel gewinnen. Sein Motto: „Die reguläre Saison ist für die Trainer, da müssen wir arbeiten. Die Playoffs sind für die Spieler. Mein Team ist bereit.“SID