Die Formel 1 ist mit zahlreichen Nebengeräuschen in die neue Saison gestartet. Wir haben den deutschen Ex-Piloten Nick Heidfeld nach seiner Meinung gefragt. Das Interview mit unserer Zeitung.
Die Formel 1 hat dieses Jahr neue Autos, neue Chassis und neue Antriebseinheiten mit 50 Prozent Elektroleistung bekommen. Max Verstappen hat das schon „Formel E auf Steroiden“ genannt. Wie sehen Sie das?
Die Änderungen sind wirklich massiv. Grundsätzlich finde ich Regeländerungen immer spannend – für die Zuschauer, für die Techniker und für die Teams. Aber das, was man jetzt hört, klingt schon sehr extrem. Dass man sehr früh Lift & Coast machen muss, also vom Gas geht, um die Batterie zu laden, und teilweise gar nicht mit maximaler Power durch die Kurven fahren kann. Für die Formel 1 finde ich das unpassend.
Aktuell gibt es wieder Stimmen, die eine Rückkehr zu V8-Motoren fordern. Sollte die Formel 1 Technologie-Labor sein oder purer Rennsport mit lauten Motoren?
Ich war sowohl in der Formel 1 als auch in der Formel E unterwegs. Deshalb mag ich diese Schwarz-Weiß-Diskussion nicht – Verbrenner oder Elektro. Ich persönlich mag beides. Ich bin privat und auch im Rennsport beides gefahren. Beides hat Vor- und Nachteile. Die Zukunft geht natürlich stärker in Richtung Elektromobilität und grünere Technologien, auch wenn ich den Sound eines V8 oder V10 lieber höre als einen Elektrosound.
Nach den ersten Rennen gilt Mercedes als Favorit. Intern könnte es auf ein Duell zwischen Kimi Antonelli und George Russell hinauslaufen. Einige sehen Antonelli im Vorteil, weil er jünger ist.
Ich denke schon, dass das ein Vorteil sein kann. Fahrer, die gerade aus den Juniorserien kommen, sind es gewohnt, sich schnell anzupassen. Wenn man viele Jahre nur in der Formel 1 unterwegs war, wird das manchmal schwieriger. Russell ist allerdings auch noch jung genug, um sich anzupassen. Ich bin sehr gespannt auf das Duell, sehe aber Russel nach wie vor vorne.
Neben Mercedes gibt es mit Audi nun ein weiteres deutsches Werksteam. Was erwarten Sie von den vier Ringen?
Als Deutscher hoffe ich immer, dass ein deutsches Team vorne mitfährt. Was die Erwartungen betrifft: Audi kommt nicht komplett neu in die Formel 1. Sie sind schon seit einigen Jahren im Hintergrund bei Sauber involviert. Außerdem beginnt eine neue Motorenära, in der alle mehr oder weniger bei null anfangen. Audi hat sich auch beim Reglement dafür eingesetzt, dass bestimmte Rahmenbedingungen gelten, sonst wären sie vielleicht gar nicht eingestiegen. Deshalb sollte das Ziel schon sein, mindestens im Mittelfeld zu fahren, aber noch wichtiger ist es, eine Steigerung, auch schon über die erste Saison hinweg zu sehen. Aber man darf nicht vergessen: In kaum einer Sportart ist die Konkurrenz so hart wie in der Formel 1. Alle Teams investieren enorme Ressourcen, sowohl finanziell als auch personell. Nur weil man Audi heißt, ist man noch lange nicht automatisch an der Spitze.
INTERVIEW: RALF BACH