Punktlandung: Veit Oswald ist zurück. © Red Bull/City-Press
München – Kann man auch etwas Gutes ableiten aus dieser Situation, in die der EHC Red Bull München geraten ist: das erste Playoff-Spiel verloren, mit 5:6 zu Hause gegen Ingolstadt, den Heimvorteil in der Best-of-Seven-Serie aus der Hand gegeben, Fehler begangen wie seit Monaten nicht mehr? Ja, es gab eine positive Erkenntnis für den Hauptverantwortlichen, für Chefcoach Oliver David: „Wir haben das Handtuch nicht geworfen.“ Der Spielverlauf zeigte es: Weder ein 0:4-Rückstand nach 26 Minuten noch ein 2:5 (nach 45) und ein 3:6 bei gut vier Minuten Restspielzeit verführten zur Aufgabe. Der EHC ging „all in“, spielte ohne Torhüter Antoine Bibeau und schoss sich bis 16 Sekunden vor der Schlusssirene auf 5:6 heran.
Als diese ertönte, bildete sich noch eine blau (München)-weiße (Ingolstadt) Spielertraube und sprachen die Schiedsrichter Sean MacFarlane und Marian Rohatsch noch jeweils eine Strafzeit wegen übertriebener Härte aus – das passte in die Atmosphäre dieses Abends im SAP Garden, in der von beiden Seiten der Katalog an Fiesheiten abgearbeitet wurde: unsportliches Verhalten, hoher Stock, Stockschlag, Check gegen den Kopf, Faustkampf.
Bevor nun aber die Wellen der Empörung hochschlagen: „Das sind normale Vorkommnisse in den Playoffs. Wir betreiben einen Kontaktsport, für den man bereit sein muss. Es war ein normales, ein gutes Playoff-Spiel“, erläuterte Oliver David. Und damit man sich auf den weiteren Verlauf der Serie – am Freitag (19.30 Uhr) in Ingolstadt, am Sonntag (19 Uhr) dann wieder in München – einstellen kann: „Es wird nicht weniger“, kündigte Veit Oswald an. Das sei der Wesenskern der im Eishockey relevantesten Jahreszeit: „Da wird nach jedem Pfiff noch provoziert, geht ein Schläger oder eine Faust raus.“
Trotzdem: Man kann sich besser verhalten. Hart und dennoch smart agieren. Oswald: „Ich glaube, wir müssen bis zum Pfiff hart spielen und danach diszipliniert zur Bank gehen. Die Strafen sollen die anderen nehmen.“ Die für München bittere Phase war der Einstieg ins zweite Drittel mit drei Gegentreffern und drei Unterzahl-Situationen. „Wenn man Meister werden will“, bezieht sich Veit Oswald auf die Zielsetzung des EHC, „darf man nicht schnell 0:4 zurückliegen.“ Als gegen Ende die Ingolstädter öfter draußen saßen, fand der EHC seine Entschlossenheit. Weswegen er nun so rechnet: Insgesamt „war es nicht unser bestes Spiel“, so Oswald, „trotzdem haben wir nur mit einem Tor Unterschied verloren.“ Schlussfolgerung: „Wenn wir unser Spiel spielen, schlagen wir die Ingolstädter.“ Allerdings: Der ERCI war das heimstärkste Team der DEL-Hauptrunde – und könnte den favorisierten EHC mit einer 2:0-Playoff-Führung anklingeln.
Die Münchner sind natürlich überzeugt, dass sie die Klasse haben, um die Serie erst einmal auf 1:1 zu stellen. Dafür sollen nicht nur die Granden im Kader zuständig sein, sondern auch die Jungen wie Oswald. Den 21-Jährigen nahm Oliver David als „eindrucksvoll“ wahr, schickte ihn aufs Eis, als zur Aufholjagd geblasen wurde. Dabei kam Oswald aus einer Verletzungspause von neun Wochen.
Bei der Punktlandung zu den Playoffs half ihm die Reha im Athletic Performance Center, das Clubeigner Red Bull in Salzburg betreibt. Oswald lernte dort auch Sportler anderer Disziplinen wie den Schweizer Ski-Olympiasieger Franjo van Allmen kennen. Einen „Megaspaß“ nennt er die interkulturellen Begegnungen – bei denen ihm aber klar wurde: „Ich bin glücklich, Eishockeyspieler zu sein.“ Playoffs haben andere halt nicht.GÜNTER KLEIN