Nagelsmanns stiller Anführer

von Redaktion

Kai Havertz über sein DFB-Comeback und seine Liebe zu Eseln

Seine drei Esel leben in Deutschland. © Instagram

Fester Baustein: Der Bundestrainer setzt auf Angreifer Havertz. Aufgrund von Verletzungen kam er jedoch seit November 2024 nicht mehr beim DFB zum Einsatz. © Schultheiß/Imago

München – Es ist noch nicht lange her, da hat es Julian Nagelsmann mit seinen taktischen Experimenten etwas übertrieben: Bei seiner Heimspielpremiere als Bundestrainer stellte er im November 2023 Kai Havertz gegen die Türkei (2:3) als Linksverteidiger auf und sorgte damit für Verwirrung.

Knapp zweieinhalb Jahre später setzt Nagelsmann immer noch auf Havertz: Seine Position ist inzwischen im Angriffszentrum festgelegt, das gesamte letzte Jahr kam er in der Nationalelf trotzdem nicht zum Einsatz. Schließlich ist der Stürmer seit knapp zwölf Monaten von Verletzungen geplagt, stand beim FC Arsenal in dieser Spielzeit erst 14 Mal auf dem Platz. In welcher Verfassung kann ihn Nagelsmann also jetzt erwarten?

„Ich fühle mich sehr gut. Es war nicht einfach nach dieser Zeit, ich hatte meine erste Verletzung letztes Jahr im Februar. Dann bin ich nach dreieinhalb Monaten zurückgekommen, war topfit und hatte danach wieder einen Rückschlag mit meinem Knie“, erklärte Havertz am Mittwoch. „Deswegen war es ein Auf und Ab für mich persönlich. Man merkt, dass man ein Jahr raus ist, ich brauche noch ein paar Spiele von Anfang an.“

Die ersten 90 Minuten soll der Angreifer bestenfalls schon am Freitag gegen die Schweiz (20.45 Uhr, RTL) absolvieren – und könnte erstmals an der Seite von Nick Woltemade auflaufen. Der Angreifer von Newcastle United hat in dessen Abwesenheit die „Havertz-Rolle“ eines mitspielenden Stürmers übernommen, der phasenweise auch als Zehner agiert und sich die Bälle tief abholt.

Ob sich die ähnlichen Stürmer ergänzen oder ersetzen? „Wir haben beide die gleiche Statur und ähnliche Ideen vom Fußball und wie man die Position spielen sollte“, sagte Havertz. „Nick bringt eine riesige Präsenz in der Box mit. Wir haben heute zum ersten Mal zusammen trainiert und werden nicht lange brauchen, um uns gut auf dem Platz zu verstehen. Wir können uns gut ergänzen.“ Damit dürfte sich die Nationalelf zumindest offensiv quasi von selbst aufstellen: Havertz und Woltemade bringen im Sturm die nötige Physis mit, Florian Wirtz und Serge Gnabry die nötige Technik. Mit Blick auf die WM im Sommer dürfte dann – wenn alle anderen fit bleiben – noch Jamal Musiala dazustoßen, ansonsten gelten alle als gesetzt.

Mit seinen bald 27 Jahren soll Havertz aber nicht nur auf dem Platz vorangehen, sondern auch daneben – und das, obwohl sich der introvertierte Angreifer und zurückgezogen lebende Tierfreund nicht als Lautsprecher begreift: „Ich habe in Deutschland einen Esel, das sind sehr ruhige Tiere. So ein bisschen wie ich“, schmunzelte Havertz und erklärte etwas ernster: „Ich bin kein lautstarker Spieler, der in der Kabine die großen Ansprachen hält. Aber es gibt auch Spieler, die mit Leistung vorneweggehen. Da zähle ich mich zu.“

In London hat Havertz drei Hunde, die drei Esel, die seine Eltern ihm zur Volljährigkeit schenkten, leben in Deutschland. „Der eine oder andere von den Jungs macht da auch mal Witze drüber“, berichtete Havertz. Kurios: Einer von ihnen heißt Toni – benannt nach Antonio Rüdiger.V. TSCHIRPKE

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