Tribünen-Knutsch: Neuer und seine Anika. © IMAGO
Wohin geht der Blick? Neuer – fast alleine daheim in der Länderspielpause. © Ruiz
München – Eine Party mit den Kollegen kann es (noch) nicht geben, denn an der Säbener Straße ist Manuel Neuer gerade relativ allein. 16 Bayern sind mit den Nationalmannschaften unterwegs, an den Tagen vor seinem 40. Geburtstag an diesem Freitag war es für den Kapitän des FC Bayern also ruhig. Gemeinsam mit den jungen Kollegen und Torwart-Trainer Michael Rechner gab er dennoch Gas, denn sein Plan steht. „Ab dem ersten gemeinsamen Training soll Manu wieder voll dabei sein“, sagt Sportdirektor Christoph Freund. Ab Montag heißt es also als 40-Jähriger: Neustart oder Rente?
Die Frage stellt Neuer sich auch selbst seit Monaten, das Pendel schwingt immer wieder neu aus. Hatte man intern bis zum Jahreswechsel noch klare Zeichen vernommen, dass Neuer seinen auslaufenden Vertrag um ein Jahr verlängert, hat er die Entscheidung nun in die Crunchtime der Saison verschoben. Der dritte Muskelfaserriss binnen drei Monaten bringt auch ihn zum Grübeln. Und so schließen die Bosse nicht aus, dass die verbleibenden zehn bis maximal 14 Spiele der Saison die letzten des Torwart-Urgesteins sein könnten.
Eine klare Meinung dazu hat Sepp Maier. Er hat seinerzeit schon mit 35 seine Torwarthandschuhe an den Nagel gehängt und weiß: „Es wird immer schwieriger, aus einer Verletzung zurückzukommen, je älter man wird. Der Körper macht nicht mehr so mit.“ Daher müsse man „den richtigen Zeitpunkt treffen, an dem man sagt: Okay, ich habe so viel erlebt – jetzt reicht‘s.“
Wann der sein wird? Maier will gegenüber unserer Zeitung keinen Rat geben, aber er sagt: „Mit 40 kann man schon eher ans Aufhören als ans Weiterspielen denken. Denn besser werden kann es für ihn ja eigentlich nicht mehr. Er kann quasi nur noch verlieren.“ Naja. Drei Titel sind so oder so noch zu vergeben. Und auf diese will Neuer sich konzentrieren.
Es ist unwahrscheinlich, dass er auf dem Weg zum immer noch möglichen Triple alle Partien bestreitet – das Jobsharing-Modell mit Jonas Urbig besteht ja weiterhin. Und es ist nur gut, dass der Mann, der mehr als ein Jahrzehnt als unersetzbar galt, seinem designierten Nachfolger so vertraut wie keinem anderen der gescheiterten Kandidaten vor Urbig.
Dass die eigentlich für die Zeit um seinen runden Geburtstag vereinbarte Zukunftsentscheidung dennoch noch nicht final getroffen ist, setzt die Bayern-Bosse unter mehr Druck. Urbig würde im Fall der Fälle seine verdiente Chance bekommen. Aber dahinter müsste bei einem Neuer-Abschied neu sortiert werden.HANNA RAIF, PHILIPP KESSLER