Winter am Zuckerhut

von Redaktion

Riesenslalom-Weltcupsieger Lucas Pinheiro Braathen macht Brasilien zu einer Skination

Traumpaar: Pinheiro mit Freundin Isadora Cruz. © Insta

Großer Bahnhof: Pinheiro bei Präsident Lula. © Borges/EPA

„Das ist groß“: Pinheiro Braathen mit der Riesenslalom-Kugel. © Bott/EPA

Grüngelb steht ihm gut: Pinheiro als einer der Fahnenträger bei Olympia. © Kappeler/dpa

Rasantes Finale: Pinheiro Braathen schnappte sich ausgerechnet in Norwegen den Sieg. © IMAGO

Lillehammer – Ein paar Minuten danach war für Lucas Pinheiro Braathen die Zeit der großen Gefühle gekommen. Der 25-Jährige hielt die Kristallkugel für den Gewinn des Riesenslalom-Weltcups im Arm wie ein kleines Kind. „Diese Kugel zu gewinnen“, sagte er mit bebender Stimme, „das ist so groß.“ Worte, die auch einige tausend Kilometer entfernt, einem Mann ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Anders Pettersson, der Chef des brasilianischen Schneesportverbandes. „Lucas“, sagt er, „ist das Beste, was uns passieren konnte.“

Der 60-jährige Unternehmer, der seine Wurzeln selbst in Schweden hat, nimmt sich in Brasilien schon seit vielen Jahren der Schneedisziplinen an. Kein leichtes Unterfangen in einem Land, in dem Schnee ein Fall für Kuriositätenlexika ist. Doch nun hat man einen Mann, der das größte Land Südamerikas auf die Wintersportlandkarte bringt. Kürzlich bescherte Pinheiro Braathen der Heimat seiner Mutter Olympia-Gold, nun ließ er die Saisonwertung im Riesenslalom folgen. Auch die Slalom-Kugel war möglich, doch im Finale am Mittwoch schied er aus. So oder so: Das Land schaute zu – der Sender Globo übertrug den Erfolgsweg in die brasilianischen Wohnzimmer.

„Es wird wahrgenommen“, sagte Pettersson. Als sich Pinheiro Braathen 2024 zum Verbandswechsel entschloss, habe er 250.000 Follower bei Instagram gehabt, „inzwischen ist es eine Million.“ Es hat seine Wirkung, dass sich der Seitenwechsler auch immer wieder in seiner neuen Heimat zeigt. Er weiß sich in Szene zu setzen. Die Beziehung zu der beliebten Telenovela-Schauspielerin Isadora Cruz tut das Übrige.

Welche Auswirkungen die Erfolge für den Verband haben, wird sich zeigen. Abseits des Fußballs beziehen Sportverbände ihre Gelder vornehmlich aus staatlichen Lotterien. Petterssons Verband CBDN wirtschaftet derzeit mit umgerechnet rund 3,5 Millionen Euro pro Jahr. Lucas Pinheiro Braathen alleine hat für die Finanzierung seiner Saison etwa 1,5 Millionen Euro veranschlagt. „Etwa zehn Prozent davon“, so Pettersson, „trägt der Verband.“

Und die Lokomotive Pinheiro Braathen zieht auch im Sport selbst. Die Mitgliederzahl im CBDN steigt, wobei derzeit nur rund 100 Athleten im internationalen Wettkampfbetrieb unterwegs sind. Viele von ihnen trainieren in den USA oder Europa, was schon alleine die Kommunikation zur Herausforderung macht.

Leicht zu erraten: Die meisten davon bewegen sich im Skilanglauf, der sich auf Skirollern auch in der Heimat vergleichsweise preisgünstig trainieren lässt. Tendenz steigend. Im Februar begleitete Pettersson das Rekordaufgebot von 14 Athleten zu den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina.

Pettersson wird die Entwicklung zwar nicht mehr als Präsident begleiten, mehr als zweimal darf ein CBDN-Chef nicht wiedergewählt werden. Doch er ahnt: 2030 wird man die Marke sprengen. Dafür dürfte Lucas Pinheiro Braathen sorgen.PATRICK REICHELT

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