ZUM TAGE

Jetzt entscheidet sich die Stimmung im Land

von Redaktion

WM-Schwung für das DFB-Team?

Lange Zeit konnte man sich auf drei Gewissheiten verlassen: den Tod, Steuern – und, dass Deutschland eine Turniermannschaft ist. Egal, wie gut oder schlecht die Vorbereitung war, rechtzeitig zu einer Europa- oder Weltmeisterschaft schien die deutsche Mannschaft stets in der Lage zu sein, den Schalter umzulegen und sich von Zauberhand in Topform zu befördern.

Diese Zeiten sind allerdings vorbei. Das zeigt nicht nur das zweifache Gruppen-Aus bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2022, sondern auch die Erfolge anderer Mannschaften bei jüngsten Turnieren. Die Triumphe von Argentinien in Katar und Spanien bei der EM im vorletzten Sommer entstanden nämlich nicht aufgrund einer plötzlichen Formsteigerung, sondern sie kündigten sich lange im Vorlauf an. Schließlich ist es bei Nationalmannschaften nicht anders als im Vereinsfußball: Eingespielte Automatismen, ein funktionierendes Teamgefüge und kollektives Selbstbewusstsein führen zum Erfolg – aufgrund der geringeren Taktung verteilen sich die Möglichkeiten dafür aber nicht auf ein paar Wochen (wo im Vereinsfußball durchaus eine 180-Grad-Wende möglich ist), sondern auf mehrere Monate.

Und so ist es nicht übertrieben, festzustellen, dass die entscheidende Phase für die WM-Vorbereitung jetzt beginnt. Denn mit den zwei Testspielen gegen die Schweiz und Ghana hat die Elf von Julian Nagelsmann die Chance, die Stimmung im Land und untereinander entscheidend zu beeinflussen. Zwei überzeugende Siege würden mehr als beflügelnd wirken und das Selbstvertrauen stärken, dürftige Auftritte oder sogar Niederlagen dagegen für Verunsicherung sorgen und den ohnehin schon hohen Druck nur noch mehr erhöhen.

Wie wichtig eine kollektive Aufbruchsstimmung sein kann, zeigte zuletzt die Heim-EM: Auch damals gab es im Vorfeld Zweifel an der Qualität des Kaders oder der Spielweise. Diese waren nach den ersten Erfolgserlebnissen aber wie weggeblasen – und es entwickelte sich dadurch auch auf dem Platz eine Dynamik, die Deutschland mit etwas mehr Schiedsrichterglück beinahe Richtung Finale getrieben hätte.

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