Mit drei Punkten Playoff-Topscorer: Brady Ferguson. © Red Bull/City-press
„Harte körperliche Arbeit“: Brady Ferguson überzeugt auf dem Eis. © Feiner/Imago
München – An Brady Ferguson lag es nicht, dass der EHC Red Bull München mit der 5:6-Heimniederlage gegen den ERC Ingolstadt einen Fehlstart in die Playoffs hinlegte und unter erhöhtem Druck in Partie Nummer zwei (Freitag, 19.30 Uhr), diesmal auswärts in der Saturn Arena, geht. Der 31-jährige US-Amerikaner erzielte zwei Tore (2:4 und 4:6) und bereitete ein weiteres vor.
Ferguson haben die Münchner vor dieser Saison vom schwedischen Club Rögle BK Ängelholm geholt, weil speziell in den Playoffs Typen wie er gefragt sind: Arbeiter, die das Spiel in beide Richtungen denken. Und die Erfahrungen haben mit Grenzsituationen, wie sie sich in Alles-oder-nichts-Spielen immer wieder ergeben. In den vergangenen fünf Jahren hat Brady Ferguson 53 Playoff-Spiele gesammelt – quasi eine zusätzliche Saison. Damit ist er der Playoff-erfahrenste Spieler im Münchner Kader.
Mit Ferguson war EHC-Sportchef Christian Winkler früh klar. Ungewöhnlich dann: Der Spieler siedelte schon im vergangenen Frühjahr und nicht erst Anfang August zum Trainingsauftakt an seinen neuen Wirkungsort München über. „Als Import“, sagt Ferguson, „trainiert man normalerweise im Sommer in der Heimat, hat dort ein Haus.“ Er stammt aus Texas, der Umgebung von Dallas. Doch so richtig zu Hause gewesen ist er seit Jahren nicht mehr. „Unsere beiden Söhne sind in Schweden geboren worden, der eine im September, der andere im Juni“, während der Eishockey-Saison und kurz danach also, „deshalb haben wir den Sommer meist in Schweden verbracht.“ Die Lebenssituation nun: „Beide Kinder in der Kita, meine Frau fängt in München einen Job an, und ich habe hier gute Trainingsmöglichkeiten.“ Daher wird es auch in diesem Jahr nur eine Kurzvisite von zwei Wochen in Texas „bei Familie und Großeltern“ geben.
Das soll aber noch nicht so bald sein, denn Brady Ferguson hat sich auf eine längere Playoff-Zeit, idealerweise bis Ende April, Anfang Mai eingestellt – trotz des Serienrückstands gegen Ingolstadt. Er rechnet allerdings ein bisschen anders: „Wir haben schon die letzten acht Hauptrundenspiele, die nach der Olympiapause, so behandelt, als wären sie Playoff-Spiele.“ Sechs dieser Matches wurden gewonnen, das 5:6 gegen Ingolstadt im offiziell ersten Playoff-Spiel war demnach kein Fehlstart, sondern nur ein zwischendurch mal verlorenes Spiel.
Ferguson hat in seiner Karriere schon andere Herausforderungen bewältigt, als eine Playoff-Serie ausgleichen zu müssen. Noch als Mittzwanziger war bei ihm nicht absehbar, wohin sein Weg führen würde. Er spielte in Nordamerika in der East Coast Hockey League (ECHL) – „zusammen mit Leuten, die dort eine Menge Scheiße erlebt haben“.
Vor ein paar Wochen traten die ECHL-Spieler in den Streik, um bessere Bedingungen zu erwirken – was ihnen gelang, der neue Tarifabschluss beseitigte einige Härten, die erst durch den Ausstand offiziell bekannt wurden: Jahresverdienste unter 20.000 US-Dollar, Arbeitsverhältnisse endeten fristlos mit dem letzten Saisonspiel, die Ausrüstung musste teils selbst bezahlt werden. Ferguson selbst traf es nicht so schlimm, denn auch wenn er zwei Jahre überwiegend für die Newfoundland Growlers in der ECHL antrat, waren sein Hauptarbeitgeber die Toronto Marlies in der höhergestellten American Hockey League (AHL) und die Konditionen bessere. „Doch für mich ging es rauf und runter, wir hatten in der ECHL Strecken mit fünf, sechs Spielen am Stück, das ist wirklich harte körperliche Arbeit.“
Andererseits will er auch „etwas Positives über die ECHL sagen: Sie ist eine Entwicklungsliga, die dir die Gelegenheit gibt, dich zu zeigen und den Weg nach oben einzuschlagen. Ich konnte dann nach Schweden.“ Wo gut bezahlt wird. Und weiter nach München mit seinem angenehmen Lifestyle. Eine Stunde nach Ingolstadt fahren zu müssen, um ein Spiel zu gewinnen, fühlt sich nach leichter Übung an.GÜNTER KLEIN