„München ist unser großer Traum“

von Redaktion

Das deutsche Curling kämpft nach den Olympischen Spielen um Standorte

Peter Gaedeke mit auffallender Hose beim Open-Air-Event in der Schweiz. © Privat

Kapitän Marc Muskatewitz schiebt immer den letzten Stein. © Michael Kappeler/dpa

München – Alle vier Jahre erobern Nischensportarten die Sportwelt. So geschehen auch vor ein paar Wochen in Cortina, als die deutschen Curler zu den heimlichen Stars der Winterspiele wurden. Die Auswirkungen spürt der mit 750 Mitgliedern zweitkleinste Verband im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) bereits jetzt schon. Nicht nur in Berlin sprach man von einem „sehr großen Andrang“, auch in den Curling-Hochburgen wie Füssen oder Baden-Baden werden vermehrt Schnuppertrainings angeboten.

Peter Gaedeke, Präsident des Deutschen Curling Verband (DCV), erzählt unserer Zeitung von einem Event in Konstanz mit 50 Teilnehmern. „Wir hoffen, dass das Interesse anhält und im Herbst, wenn die Saison beginnt, die Leute weiterhin dabei bleiben wollen“, so der 38-Jährige, der gleich in sechs Clubs Mitglied ist – unter anderem auch in der Schweiz und Spanien.

Die Nationalmannschaft um Marc Muskatewitz, Benjamin Kapp, Felix Messenzehl, Johannes Scheuerl und Ersatzmann Mario Trevisiol kann als Magnet für Neulinge dienen. So passiert im Basketball, der nach den Erfolgen mit dem WM- und EM-Titel enormen Mitgliederzuwachs verzeichnete.

Das große Problem der Präzisionssportart ist, dass es kaum professionelle Strukturen gibt. Im Breitensport nutzt man klassisches Eishockey-Eis, auf dem man „nicht wirklich präzise spielen kann, wie wir das für Profi-Niveau benötigen“, so Gaedeke, der ergänzt: „Aber es ist die einzige Möglichkeit, um überhaupt Zugang zum Curling zu bekommen.“

Zudem fehlt es an Vereinen. Lediglich 18 Clubs verzeichnet der DCV, nur fünf besitzen eigene, für Curling ausgelegte Eishallen. Dass der Sport in München nicht angeboten wird, ist Gaedeke ein Dorn im Auge: „München ist der ideale Standort. München bietet als Großstadt einfach alles.“ Er erinnert sich an eine goldene Zeit zwischen den 70er- und 90er-Jahren, als mehrere Vereine in der Landeshauptstadt eine Curling-Sparte hatten. „Das wäre unser großer Traum, dass wir hier wieder was aufbauen könnten“, so der DCV-Präsident. Es brauche allerdings an jedem neuen Standort eine „Keimzelle – ein paar curling-verrückte Leute vor Ort“.

Für Gaedeke gilt es aber auch, Aufmerksamkeit außerhalb der Szene zu generieren. Die Zielgruppe müsse gar nicht unbedingt spielen, es reiche, wenn sie spektakuläre Steine feiere. Dafür geht der Curling-Verband auf Social Media in die Offensive.

Sportlich haben Muskatewitz und Co. ihr angestrebtes Ziel Halbfinale nicht erreicht. „Natürlich waren sie enttäuscht“, erzählt Gaedeke, „aber sie sind sich bewusst, dass sie das jüngste Team sind und das erste Mal bei Olympia waren. Sie haben den Gesamtblick nie verloren“.

Und das nächste Großereignis steht schon ins Haus: Jetzt steht das DCV-Quartett quasi vor Olympia 2.0. Am Samstag beginnt in Calgary (USA) die Weltmeisterschaft der Herren. Bundestrainer Uli Kapp trägt die offensiven Ziele der Mannschaft auf der Zunge: „Ich glaube, dass der Hunger noch nicht gestillt ist. Eine Medaille wäre das i-Tüpfelchen.“ Vielleicht geht bei der WM schon Gaedekes Wunsch in Erfüllung, dass die Öffentlich-Rechtlichen Zusammenfassungen zeigen. Live übertragen werden viele Spiele auf Eurosport.ALEXANDER VORMSTEIN

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