Als Trainer betreute er Ghanas Nationalmannschaft auch schon bei der WM 2022. © Rauthner/Imago
Als Spieler stand Otto Addo für Ghana bei der WM 2006 in Deutschland auf dem Platz. © imago
Hamburg/Wien – Otto Addo lacht kratzig. Den ersten Versuch eines Telefonats hatte er noch abbrechen müssen – der Verbandspräsident kam ins Zimmer. Dann spricht er über Afrika, Herkunft und das Duell der Ghanaer mit Deutschland. „Alles ist möglich“, sagt Addo: „Ich bin in Hamburg mit meiner Zwillingsschwester und meiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen. Jetzt bin ich Nationaltrainer.“
Und am Montag (20.45 Uhr/ARD) geht es gegen Stuttgart gegen sein Heimatland Deutschland. Für Otto Addo ist das Spiel in doppeltem Sinne wichtig: für seine Mannschaft, die „an guten Tagen mit den Top-Nationen mithalten“ kann, als WM-Härtetest nach dem Spiel in Österreich (nach Redaktionsschluss). Besonders allerdings, „weil ich weiß, dass meine Zukunft zu großen Teilen in Deutschland liegen wird“. Er lacht wieder. Man will sich ja noch sehen lassen können.
Addo fühlt sich als Deutsch-Ghanaer, sozusagen als das Beste aus zwei Welten, zwischen Hamburg-Hummelsbüttel und Accra. „Früher habe ich mich nur als Ghanaer gesehen. Ich habe mich so gesehen, wie andere mich sehen. Die erste Frage war immer: Woher kommst du?“ Das, sagt er nachdenklich, sei schon schwierig. Und er glaubt, es höre niemals auf.
Der ehemalige Bundesliga-Profi kämpft gegen Rassismus, den er in deutschen Stadien bitter erfahren hat. Deshalb ist die schwierige Frage nach der Politik vor der WM auch eine, die er differenziert beantwortet. „Für mich ist es keine Politik, sich für Menschen, die rassifiziert oder diskriminiert werden, einzusetzen.“ Aber zu Kriegsthemen, da werde er sich sicher nicht äußern.
Der jüngste Wirbel um die Aberkennung des Afrika-Cup-Sieges des Senegal ärgert ihn besonders deshalb, weil es viele Menschen gibt, die darin eine Bestätigung von Klischees sehen. Afrika, haha, wild und chaotisch. Addo kontert: „Es ist schade und schlecht, was passiert ist.“ Aber Skandale, die gebe es überall, „bei der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland gab es auch genug Ungereimtheiten.“ Wer könnte da widersprechen?
Bei der WM sind mindestens neun afrikanische Mannschaften dabei. Marokko, der erste Halbfinalist vom Kontinent, wird wieder stark eingeschätzt, der Senegal auch – doch Ghana hat ebenfalls einiges zu bieten. Drei Profis spielen in Deutschland: Ransford Königsdörffer vom HSV, Patric Pfeiffer (Darmstadt) und Jonas Adjetey (Wolfsburg). Antoine Semenyo, Rechtsaußen von Manchester City, ist 75 Millionen Euro wert.
„Verstecken müssen wir uns nicht“, sagt Addo. Dass es Ghana sein wird, das ist nicht überaus wahrscheinlich, aber der frühere Mittelfeldspieler ist „fest davon überzeugt“, irgendwann einen afrikanischen Weltmeister zu erleben.
In Ghana hat er eine schwierige Aufgabe, allein schon sprachlich, denn da ist der westafrikanische Staat extrem divers. Addo spricht Twi, die Sprache seiner Eltern und der Ashantis. „Aber ich verstehe auch Ga.“ Es geht auch Englisch, Spanisch, Französisch – oder ein breites hamburgisches „Moin“. Damit die Herkunft gleich geklärt ist.SID