Feine Pässe: Taro Hirose. © Red Bull/City-Press
Ingolstadt/München – Playoffs gibt es in der NHL seit über hundert Jahren, in Deutschland auch schon seit Beginn der 1980er – und in dieser langen Zeit haben alle Beteiligten eine Routine entwickelt, auch in der Kommunikation. Wenn in einer Best-of-Seven-Serie, dem mittlerweile gängigen Format, jede Mannschaft ein Spiel gewonnen hat, heißt es beiderseits: Ab jetzt ist es eine Best-of-Five-Serie. An diesem Punkt sind der EHC Red Bull München und der ERC Ingolstadt angelangt. Die Münchner hatten zu Hause das erste Match 5:6 verloren, doch sie holten sich am Freitagabend in Ingolstadt Partie Nummer zwei: Und nach dem 6:1 des EHC beim ERC steht es 1:1.
Was beim Aufeinandertreffen in der Saturn Arena anders war: Beide Teams boten einen anderen Torhüter auf. Bei Ingolstadt gibt es keine klare Nummer eins, also war es keine Mega-Überraschung, dass Brett Brochu seinen Kollegen Devin Williams ablöste. Dass bei den Münchnern Simon Wolf den Platz im Kasten einnahm, hatte hingegen niemand erwartet. Und Offizielles gab es zur Erklärung nicht. Hatte Antoine Bibeau sich am Mittwoch eine Verletzung zugezogen? Oder vollzog Trainer Oliver David eine taktische Rotation auf den Import-Positionen? Ohne Bibeau war die neunte Lizenz frei, ins Lineup rückte der Abwehrkoloss Dillon Heatherington. Ein großer Verteidiger, der sich vorrangig darauf konzentriert, in der eigenen Zone aufzuräumen – bot sich ja auch an nach einem Spiel mit sechs Gegentoren.
Jedenfalls kam der EHC viel besser ins Spiel, bereits in der ersten Minute wurden drei Schüsse aufs Ingolstädter Tor abgefeuert. Wichtig neben gut kanalisierter Angriffslust auch: Die Münchner zeigten im Startdrittel ein hervorragendes Überzahlspiel – was ihnen zur 2:0-Führung verhalf, durch Tobias Rieder mit dem Schlittschuh (10.) und Chris DeSousa (18.). Die Vorlagen kamen von den umsichtigen Taro Hirose und Adam Brooks. Am Mikrofon von MagentaSport ärgerte sich nach 20 Minuten in seinem Zwischenfazit der verhinderte Ingolstädter Torjäger Daniel Schmölz: „Wir nehmen zu viele Strafen, dadurch kommen wir nicht ins Spiel.“ Bezeichnend: Vor dem Gegentreffer zum 0:2 kassierte der ERC zwei Strafzeiten binnen zwei Sekunden, eine davon, weil Peter Abbondonato beim Bully mit der Hand schummelte. Auch im zweiten Durchgang leisteten sich die Schanzer einige Ungeschicklichkeiten.
Ins letzte Drittel startete der EHC München mit dem schnellen 3:0 durch Jeremy McKenna (nach 29 Sekunden), das 0:3 spornte die Ingolstädter zu verstärkten Offensivbemühungen an, Austen Keating gelang das 1:3 (45.), doch als sie Druck aufsetzten, wurden sie ausgekontert, wie sie selbst im ersten Spiel München ausgekontert hatten. Mit dem 4:1 durch Maxi Kastner (52.) war der EHC auf der sicheren Seite, mit Rieders 5:1 (Empty net/54.) und Hiroses 6:1 (57.) erst recht. Fortsetzung am Sonntag (19 Uhr) im SAP Garden. Best of Five, Spiel eins.GÜNTER KLEIN