Edin Dzeko (l.) will zum Spielverderber werden. © Potts/dpa
Das 2:0 sorgte für große Erleichterung bei einer ganzen Fußball-Nation: Moise Kean trifft für Italien. Gegen Bosnien-Herzegowina ist er wieder gefordert. © Antonio Calanni/dpa
Bergamo – Gennaro Gattuso und die gesamte Fußballnation atmeten gerade erleichtert auf, da stichelte Edin Dzeko in über 1000 Kilometern Entfernung schon wieder. Italien sei „eine große Nation, und da sie sich für die letzten beiden Weltmeisterschaften nicht qualifiziert haben, stehen sie unter Druck“, sagte der bosnische Stürmer – und setzte damit den Ton für den Showdown um eines der letzten WM-Tickets zwischen Bosnien-Herzegowina und dem viermaligen Weltmeister.
Solche Spielchen interessierten Italiens Nationaltrainer Gattuso nach dem wichtigen 2:0 (0:0) gegen Nordirland aber nicht. „Den Druck, den wir verspüren, den haben auch die anderen“, betonte der 48-Jährige. Dennoch geht es vor allem für die stolze Squadra Azzurra am Dienstag (20.45 Uhr/DAZN) im Finale der WM-Playoffs gegen das bosnische Team mit dem Schalker Torjäger Dzeko um alles.
Seit 2014 war Italien nicht mehr Teil einer Weltmeisterschaft. Eine ewig lange Durststrecke, die die Gazzetta dello Sport Gattuso und dessen Mannschaft bereits unbarmherzig vor Augen geführt hat. Vor der Partie gegen Nordirland hatte die Zeitung auf ihrer Titelseite Fotos von Jugendlichen und Kindern abgebildet, die die Azzurri noch nie bei einer WM erlebt haben.
„Wir haben diese enorme Verantwortung gegenüber den Kindern gespürt“, sagte Manuel Locatelli nach dem Spiel. Und auch wenn der erste Schritt geschafft ist, fällt der Druck noch längst nicht ab. „Wir werden noch mindestens 90 Minuten durch das Feuer gehen müssen“, ergänzte sein Teamkollege Sandro Tonali. Man merkt: Die Sorgen vor der dritten Blamage sind längst nicht verschwunden.
Und für die könnte ausgerechnet Dzeko sorgen. Der 40-Jährige rettete Bosnien-Herzegowina in Wales am Donnerstagabend mit einem Kopfballtreffer in der 86. Minute zum 1:1 in die Verlängerung und ermöglichte so erst den späteren Sieg im Elfmeterschießen. Zudem erzielte er damit im 20. Jahr nacheinander ein Länderspieltor und wurde gleichzeitig zum ältesten europäischen Spieler, der in einer WM-Qualifikation traf.
Bei all den persönlichen Rekorden will der Routinier aber vor allem eins: Mit seiner Mannschaft ebenfalls nach zwölf Jahren wieder auf die WM-Bühne. Für den Schalker ist es wohl die letzte Chance. Den Druck sieht er aber beim Gegner: „Italien ist der Favorit, auch wenn wir zu Hause spielen.“
In Zenica empfängt Dzeko dabei ausgerechnet die Nationalelf des Landes, in dem er insgesamt acht Jahre für die AS Rom, Inter Mailand und die AC Florenz spielte – und in dem die Angst vor einem erneuten Scheitern besonders groß ist.SID