ZUM TAGE

Sorry, Dzeko – das Herz pocht für Italien

von Redaktion

WM-Qualifikation

Geschichten wie die von Edin Dzeko kann man nur lieben. 40-jährig, mit mindestens einem Bein auf dem Abstellgleis, schreibt der Stürmer derzeit sein eigenes Märchen. Es dürfte nur wenige Fans geben, die ihm nicht die WM-Qualifikation gönnen würden. Und doch verwehrt einem das Fußballerherz, Dzeko und seinen Bosniern am Dienstag die WM-Daumen zu drücken. Schuld ist der Gegner – Italien.

Die so stolze Squadra Azzurra, viermal Weltmeister, bibbert erneut um ihre Teilnahme. Die Absenz 2018 war noch lustig. 2022 eher komisch. Der Hattrick wäre tragisch. 48 Teilnehmer umfasst die irrwitzige Mega-WM. Curacao ist qualifiziert. Ebenso Haiti, Usbekistan und die Kap Verde. Dass sich nicht auch die Tifosi die Sommernächte mit WM-Spielen um die Ohren schlagen – eigentlich unvorstellbar.

Dennoch ist das Duell in Zenica offen. Nach dem mühsamen 2:0 über Nordirland herrschte keine Euphorie. Eher Erleichterung bis hin zur Melancholie. Siege über Kleine zu bejubeln, passt nicht ins Selbstbild einer Nation, die Legenden wie Giuseppe Meazza, Paolo Maldini oder Gianluigi Buffon hervorbrachte. Doch nach zwei Schock-Niederlagen gegen Schweden (2018) und Nordmazedonien (2022) ist die breite, blaue Brust auf ein Minimum geschrumpft, das Alberto Tomba die Schamesröte ins Gesicht treibt.

Am Donnerstag gab Sandro Tonali den Erlöser. Ausgerechnet. Denn der Mann verbüßte 2023 eine zehnmonatige Sperre wegen illegaler Fußballwetten. Que cosa? Alles vergeben und vergessen. Der 25-Jährige kickte da beim ruhmreichen AC Mailand, genau wie sein Nationaltrainer Gennaro Gattuso. Der war als Spieler der Inbegriff der breiten Brust. Heute sind seine Schultern im Fokus – selbst „Braveheart“ spürt den Druck eines ganzen Landes. Die „Gazzetta dello Sport“ zeigte auf ihrer Titelseite Kinder, die Italien noch nie bei einer WM gesehen haben. Ähnliche Witze gab es wegen der Dominanz des FC Bayern (2013 bis 2023) über die Deutsche Meisterschaft.

In den Jahren davor thronte unter anderem der VfL Wolfsburg (2009) ganz oben. Auch dank 26 Toren ihres damaligen Stürmers: Edin Dzeko.

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