TOTOPOKAL

Und jetzt zum Angstgegner

von Redaktion

Duisburg im Hinterkopf, Regensburg vor der Brust: Löwen doppelt motiviert

Novemberstimmung: Deprimierte Löwen-Profis nach dem 0:4-Deaster bei Jahn Regensburg in der Hinrunde der 3. Liga. Im vierten Spiel unter Markus Kauczinski war es die zweite Niederlage. © IMAGO / Ulrich Wagner

Am besten in die Kabine hängen: Die Anzeigetafel vom 9.11. dürfte Ansporn genug sein für Samstag. © Imago

Immer jubelt der Jahn: Nicht nur beim Relegations-K.o. 2017, auch in allen Duellen danach gab es für 1860 Frust pur – hier hebt Eichinger ab, der beim 0:4 im November das dritte Tor für Regensburg erzielt hatte. © IMAGO / C. Rupprecht

München – Zumindest der Trainer scheint den Duisburg-Schock gut verdaut zu haben. Die Laune von Markus Kauczinski drehte schnell wieder ins Positive – das Gleiche gilt für seinen Optimismus. Für Schlagzeilen sorgte eine Wette, die der 1860-Coach unter der Woche mit einem Reporter von Sport1 geschlossen hat. Der Inhalt in Kurzform: Steigen die Löwen noch in die 2. Liga auf, wird sich der 56-Jährige, nach eigener Auskunft bislang ohne Tattoo, einen Löwen in die Haut stechen lassen. Fünf Punkte trennen sein Team acht Runden vor Schluss vom Relegationsplatz – trotzdem ließ sich Kauczinski auf das Risiko für seine bislang tattoo-freie Haut ein. Was zu einer naheliegenden Frage führt: Welche Tätowierung plant der Trainer, wenn die Löwen unter seiner Leitung erstmals seit 2020 den Totopokal gewinnen?

Kauczinskis Reaktion in der Freitagsrunde fällt eindeutig aus. „Nein, nein, nein – so leicht ist es nicht“, sagt der Coach und schiebt lachend hinterher: „Fragt mich noch mal nach dem Finale.“ Klar ist aber: Der Pokal hat für ihn einen hohen Stellenwert. „Ich mag diese Alles-oder-nichts-Spiele. Du gewinnst, bist weiter – oder du bist raus. Das hat einen Reiz, das juckt.“ Vor allem: Der Weg führt in den DFB-Pokal. „Wenn man einen Titel holen kann, muss man alles dafür geben.“

Erst einmal jedoch müssen die Löwen die schwere Halbfinale-Aufgabe in Regensburg lösen (Samstag, 14 Uhr). Den letzten Sieg gegen die Oberpfälzer gab es beim Saisonstart der 2. Liga im August 2012 (Endstand in der Allianz Arena: 1:0). Die Ergebnisse danach zeugen von einem Jahn-Komplex der Löwen: 1:1 und 0:2 hieß es in den Duellen vor dem Doppelabstieg 2017. Auch beim Wiedersehen in der 3. Liga hatte 1860 wenig Freude: 0:1 zu Hause, 1:1 auswärts (Saison 2023/24). Noch sehr frisch und schmerzlich in Erinnerung ist das Hinspiel der laufenden Spielzeit: Mit 0:4 unterlag die Kauczinski-Elf am 9. November. „Das war von allen Spielen unsere schlechteste Leistung“, räumt der 1860-Coach ein. Entsprechend klar ist der Anspruch: „Wir wollen zeigen, dass wir mehr können als das, was wir damals getan haben.“

An der grundsätzlichen Herangehensweise wird sich dabei wenig ändern. „Es wird Veränderungen geben – aber nicht erdrutschartig“, kündigt Kauczinski an. Der erneute Ausfall von Kapitän Jesper Verlaat, der sich im Training verletzte und fest für die Startelf vorgesehen war, zwingt den Coach allerdings zu einer Plan-Anpassung. „Dafür ist das Spiel zu wichtig, als dass ich einfach nur wechsle, um zu wechseln“, betont Kauczinski. Die Mannschaft habe die späte Niederlage in Duisburg schnell verarbeitet: „Der Kopf ging relativ schnell wieder nach oben. Die Frage ist, wie man darauf reagiert – und ich habe das Gefühl, dass wir wieder eine Serie starten können.“

An Unterstützung wird es auch am ersten Samstag der Osterferien nicht mangeln. 15.210 passen ins Jahnstadion – etwa die Hälfte davon dürfte mit den Löwen fiebern. 13.500 Tickets waren bis Freitag verkauft – trotz Liveübertragung im BR. Triple-Ansporn für die Löwen: Duisburg-Frust bewältigen, den Regensburg-Fluch beenden – und Frieden mit dem Totopokal schließen. Seit dem Cup-Gewinn 2020 summierten sich die Frust-Stationen: Türkgücü (2. Runde), Aubstadt (Halbfinale), Illertissen, Pipinsried und Haching (jeweils Viertelfinale).

Und dann ist da noch diese kuriose Konstellation im Kalender: das mögliche Totopokalfinale am 23. Mai bei Kickers Würzburg (2:1 im anderen Halbfinale gegen Burghausen) – eingerahmt von den Relegationsspielen. Ein Szenario, das Kauczinski nur zu gerne unterschreiben würde. „Das sind Termine, die ich alle im Kalender habe“, sagt er – und schiebt mit einem Grinsen hinterher: „Meine Frau fragt immer: Wann ist Urlaub?“ULI KELLNER

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