Wilder Ritt ins WM-Jahr

von Redaktion

4:3 – DFB-Team liefert sich ein Offensivfeuerwerk mit der Schweiz

Haderte mit der Defensive: Nagelsmann. © Tom Weller

Zum Abheben: Der Liverpooler Doppeltorschütze Florian Wirtz war in Basel einer der herausragenden Akteure im deutschen Team. © IMAGO/UWE KRAFT

Basel – Wenige Stunden, bevor die deutsche Nationalmannschaft ins WM-Jahr 2026 startete, wollte Julian Nagelsmann noch einmal für sich sein. Mutterseelenallein flanierte der Bundestrainer durch Basel – wohlwissend, dass es für ihn in den nächsten Wochen bis zum Turnierstart nur wenig bis gar keine Zeit zum Durchschnaufen geben wird. Und nach dem 4:3 (2:2) gegen die Schweiz wird es nur bedingt ruhiger um Nagelsmann und das DFB-Team.

Lothar Matthäus nahm die deutsche Auswahl bereits vor Anpfiff am RTL-Mikrofon in die Pflicht: „Die WM fängt heute an! Wir haben eine tolle Mannschaft, die hoffentlich schnell zusammenwächst.“ Zwischen den Zeilen war die Botschaft des Rekord-Nationalspielers unmissverständlich: Die Zeit der Experimente ist vorbei, ab jetzt muss sich Deutschland für die WM einspielen.

Das sah der Bundestrainer ähnlich und machte bereits im Vorfeld der Partie kein Geheimnis um seine Aufstellung: In der Innenverteidigung waren Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah gesetzt, der einstige Abwehrchef Antonio Rüdiger muss sich derzeit hinten anstellen. Vorne durfte Kai Havertz ran, der zum letzten Mal im November 2024 für die DFB-Elf auflief. Dafür setzte Nagelsmann den derzeit besten deutschen Stürmer, Deniz Undav, ebenso auf die Bank wie Nick Woltemade, auf dessen Treffsicherheit in den vergangenen Partien im Deutschland-Dress stets Verlass war.

In der Anfangsphase konzentrierte sich das Geschehen auf die deutsche Hintermannschaft um Schlotterbeck – und zwar nicht im positiven Sinne: Dem Dortmunder unterlief nach einer guten Viertelstunde im Spielaufbau ein furchtbarer Fehlpass, der den Schweizern ordentlich Platz zum Kontern gab. Dan Ndoye setzte sich im Dribbling auf links durch, weil Angelo Stiller ihm nur Geleitschutz gab und traf ins kurze Eck zum 1:0 für die Schweiz.

Fortan kombinierten sich die Gäste vor allem über Havertz und Florian Wirtz in Richtung gegnerischen Strafraum und kamen zu aussichtsreichen Abschlüssen. Doch es brauchte einen Eckstoß und einen Kopfball von Tah, um auf 1:1 zu stellen (26.). Nur 15 Minuten später unterlief Schlotterbeck erneut ein Fehlpass im Spielaufbau, der zum nächsten Schweizer Gegenangriff führte: Bei der anschließenden Flanke von Silvan Widmer wirkte Tah orientierungslos und Breel Embolo nickte zum 2:1 für die Eidgenossen ein.

Serge Gnabry sorgte in der zweiten Minute der Nachspielzeit für das 2:2, nachdem er von Florian Wirtz steil geschickt wurde, sich im Laufduell gegen Manuel Akanji durchsetzte und eiskalt blieb. Von diesem Treffer angestachelt, kam Deutschland mutiger aus der Kabine und erspielte sich gute Chancen. Doch wieder sorgte eine kurz ausgeführte Ecke für den nächsten Treffer: Wirtz schlenzte die Kugel mit viel Gefühl vom Sechzehner-Eck zum 3:2 unter die Latte. Der 3:3-Ausgleich durch Joel Monteiro (79.) tat nichts zur Sache, weil Wirtz mit seinem zweiten Traumtor für den 4:3-Endstand sorgte (86.).M. BONKE, V. TSCHIRPKE

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