2024 siegten Vini & Co. im Halbfinale. © Garcia/Imago
Bayern-Aufsichtsrat Rummenigge warnt vor Real.
Für die Bayern stehen nach der Länderspielpause die Wochen der Wahrheit an. Zunächst einmal geht es beim Viertelfinalkracher in der Champions League gegen Real Madrid aufs Ganze, danach bei Bayer Leverkusen um den Einzug ins Pokalfinale. Unsere Zeitung hat bei Karl-Heinz Rummenigge (70) nachgefragt, was der Münchner Mannschaft zuzutrauen ist. Das Interview mit dem ehemaligen Vorstandsboss und aktuellen Aufsichtsratsmitglied.
Herr Rummenigge, Bayern gegen Real. Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen.
Es ist tatsächlich das meistgespielte Duell in der Geschichte der Champions League, ich habe nachgeschaut. 28-mal sind wir bislang aufeinandergetroffen, bei zwei Siegen mehr für Real. Ähnlich sieht es auch im Uefa-Clubranking aus: Real Erster, wir nur knapp dahinter. Mehr geht nicht. Es ist das Spiel der Spiele, das vorgezogene Finale.
Was für eine Partie erwarten Sie?
Zunächst einmal tun wir gut daran, uns selbst nicht die Favoritenrolle zuzuschieben – auch wenn unsere Mannschaft stabil ist. Das ist schließlich kein gewöhnliches Spiel. Ich bin immer noch gut mit Pep (Guardiola, d. Red.) befreundet und habe ihn vor dem Achtelfinale angerufen, um ihm Glück zu wünschen. Ich wusste aber schon da: Das Real Madrid im Februar hatte absolut gar nichts mehr mit dem Real zu Beginn der Saison zu tun. Sie hatten Probleme, aber spätestens seit den Spielen gegen City sind sie wieder diese Mannschaft, die alles gewinnen kann, wenn man es zulässt.
Kurz danach holten die Blancos ihren 15. CL-Titel.
Das Level jetzt muss so hoch sein wie in der Ligaphase gegen PSG. In der ersten Halbzeit haben wir überragenden Fußball gespielt, in der zweiten haben wir nach der Roten Karte für Luis Diaz eine wahre Abwehrschlacht geliefert. Genau diese Leistung werden wir auch gegen Madrid brauchen. Wenn wir dieses Niveau erreichen, können wir uns eine gute Ausgangsposition verschaffen fürs Rückspiel. Aber entscheidend ist auch, dass wir mit Demut an die Sache herangehen und uns bewusst sind, was für eine riesige Herausforderung da auf uns wartet. Das wird die härteste Prüfung.
Das Kapitel Xabi Alonso war in Madrid schneller vorbei als vermutet. Wie heiß war das Thema Alonso beim FC Bayern?
Wir haben uns nach vielen Absagen für Vini (Kompany, d. Red.) entschieden, und manchmal meint das Schicksal es gut mit einem. Es ist eine glückliche Fügung, dass er jetzt hier ist. Ich habe große Trainer beim FC Bayern erlebt: Lattek, Hitzfeld, Heynckes, Guardiola – und in diese Kategorie wächst Vini jetzt hinein. Ich gehe in der Zwischenzeit wieder gerne ins Stadion, was in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall war. Unser Fußball macht Spaß, wir sind erfolgreich und es herrscht wieder Ruhe im Verein. Der Trainer ist der wichtigste Angestellte und Vini ist ein Glücksfall – auch menschlich. Er arbeitet mit dem, was der Club ihm gibt und macht das Beste daraus. Wir haben ihn außerdem gebeten, mehr auf den Campus zu setzen – und er hat bereits neun Spieler erfolgreich integriert, mit Lennart Karl an der Spitze.
Michael Olise soll derweil bereits in Madrid und Barcelona Thema sein.
Das sind Gerüchte, über die wir im Verein nur schmunzeln können. Sie wissen doch, wie dieses Medienkarussell funktioniert. Er hat noch drei Jahre Vertrag und mehr braucht man dazu nicht zu sagen. Wegen Spielern wie ihm kommen die Menschen ins Stadion.
Apropos: Der FCB scheint den Beratern ihre Grenzen aufzeigen zu wollen.
Am Ende sitzen wir doch alle im selben Boot, weshalb sich alle Beteiligten auch an einen Tisch setzen sollten: Verbände, Ligen, Clubs und natürlich auch die Berater. Die Entwicklung ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Vergangenen Sommer sind 1,347 Milliarden Dollar an Beraterhonoraren geflossen – vor fünf Jahren waren es noch 500 Millionen Dollar, was auch schon viel war. Wenn der FC Bayern einen Spieler von Freiburg kauft, die Freiburger dann einen von Mainz und so weiter, dann bleibt das Geld im Kreislauf. Das Geld, das an die Berater geht, ist raus aus diesem Kreislauf, was unserem Sport enormen Schaden zufügt. Wir werden das Thema beim FC Bayern daher nun etwas konsequenter angehen.
Welche Maßnahmen schweben Ihnen vor?
Zunächst einmal ist der FC Bayern keine Adresse, die man im Berater-Business einfach so ignorieren kann. Wenn wir mit einem Agenten nicht mehr zusammenarbeiten wollen, dann hat das Konsequenzen. Darüber hinaus müssen die Transferreformen der Fifa weiter vorangetrieben werden: Die Idee, dass fix fünf Prozent des Jahressalärs des Spielers an den Berater gehen, ist ja sehr gut. Das wäre ein Ansatz, momentan liegen wir nämlich bei zehn Prozent. Es braucht eine gemeinschaftliche Lösung, denn neben den utopischen Gehältern sind besagte Beraterhonorare das größte Übel. Leider haben vor allem deutsche Gerichte die „Commission Cap” erst mal gekippt.
Wie schätzen Sie die Erfolgsaussichten ein?
Man muss es auf die gute Art versuchen. Wenn das nicht funktioniert, wird man wohl den Weg über die europäische Gerichtsbarkeit gehen müssen. Die Politik ist bislang zurückhaltend. Aber auch in Brüssel sollte doch zu erkennen sein, dass die Ausgaben im Fußball jedes Maß überschritten haben.
INTERVIEW: C. MENZEL LÓPEZ