ZUM TAGE

Es bleiben noch einige offene Fragen

von Redaktion

Der (un)logische Nagelsmann

Man muss Julian Nagelsmann seinen erfrischenden Kommunikationsstil zugutehalten: Der Bundestrainer ist bemüht, auf Fragen der Journalisten auch ehrlich zu antworten – und hebt sich damit von so manch anderem Kollegen in der Branche erheblich ab.

Und so erklärt sich Nagelsmann regelmäßig öffentlich und gibt Entscheidungen bekannt, über die danach unter den 83 Millionen restlichen Bundestrainern gestritten wird. Manche davon sind gut begründet und verständlich – andere dürften bis zum WM-Start aber noch mehrfach hinterfragt werden. So ist es nach den starken Leistungen von Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah in dieser Saison logisch, dass Nagelsmann auf das Innenverteidiger-Duo setzt. Dass mit Antonio Rüdiger noch ein dritter Mann zur Verfügung steht, der über internationale Klasse und Erfahrung verfügt, ist im Falle eines Ausfalls von Tah oder Schlotterbeck nur hilfreich – genauso hatte es Nagelsmann zuletzt erklärt.

Warum sich der Bundestrainer aber so weit im Voraus auf Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger festgelegt hat, ist weniger klar nachzuvollziehen. Diese Entscheidung stammt von der EM 2024, als es auf der Doppelsechs noch ein Überangebot an Sechsern gab und mit Toni Kroos und Ilkay Gündogan dort zwei Weltklassespieler aufliefen. Damals ergab es Sinn, Kimmich nach hinten rechts in die Abwehr zu verschieben, um allen Topspielern einen Startelfplatz zu verschaffen. Heute ist es aber weniger verständlich, warum Nagelsmann nicht auf die eingespielte Doppelsechs Pavlovic und Kimmich setzt, mit der der FC Bayern gerade große Erfolge feiert.

Und auch die Personalie Deniz Undav dürfte noch für Diskussionen sorgen. Der Spieler ist aktuell der mit Abstand formstärkste Stürmer – wenn es Nagelsmann um das Leistungsprinzip geht, müsste er eigentlich gegen Ghana beginnen. Gleiches gilt für Leroy Sané und Leon Goretzka, die mit ihren jüngsten Auftritten wenig Anlass für Spielzeit gaben. Bis zum WM-Start wird es also noch viele Debatten um diese Personalentscheidungen geben – egal, wie gut Nagelsmann sie erklärt.

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