Boss Lipo und Helfer Remco?

von Redaktion

In überraschender Hierarchie: Red-Bull-Duo dominiert bei der Katalonien-Rundfahrt

Barcelona – Florian Lipowitz verließ Barcelona mit einem vielsagenden Lächeln. Dort, wo er am 4. Juli in den Kampf ums erneute Tour-Podest starten will, hatte der Vorjahresdritte der Frankreich-Rundfahrt die Zweifler nachhaltig beeindruckt. Lipowitz, das zeigte er deutlich bei seiner bärenstarken Katalonien-Rundfahrt, kann sehr wohl gegen seinen schwer prominenten Neu-Teamkollegen Remco Evenepoel bestehen. Und deshalb mit viel Selbstvertrauen Richtung Sommer durchstarten. „Wir können mit unserer Vorstellung superhappy sein“, sagte der 25 Jahre alte Ulmer und sprach wie stets lieber vom „Wir“ als vom „Ich“. Platz drei beim schweren spanischen Etappenrennen, das seit der Premiere 1911 nie ein Deutscher auf dem Podium beendet hatte, war aber auch ein ganz persönlicher Erfolg für Lipowitz – vor allem im Hinblick auf Hierarchie beim deutschen Rennstall Red Bull-bora-hansgrohe.

Denn Doppel-Olympiasieger Evenepoel, zur neuen Saison mit viel Getöse zu RB gelotst, konnte an den langen katalanischen Anstiegen nicht mit Lipowitz mithalten. Phasenweise fuhr der 26-Jährige lamentierend den Favoriten hinterher, fügte sich aber insgesamt doch willig ins Teamgefüge – und gab den Edelhelfer für Lipowitz, der souverän, ruhig und kraftvoll am Berg agierte. Evenepoel als Mannschaftsspieler – diese Rolle war ihm nicht unbedingt zugetraut worden. „Wir haben gesehen, wie sich die Dinge in ein paar Tagen einspielen können“, sagte Red Bulls Sportlicher Leiter Patxi Vila: „Das war mit Blick auf die Tour eines der wichtigsten Learnings. Die Zusammenarbeit zwischen Remco und Lipo war super!“

Natürlich verwies Evenepoel, letztlich Gesamtfünfter, auf seinen Crash während der dritten Etappe. „Das war eine Schande. Ohne den hätte ich sicher mehr aus dieser Woche mitnehmen können“, sagte er. Dennoch verfestigte sich den Eindruck aus den Vorjahren: Auf den langen Kletterstücken, die essenziell für einen großen Rundfahrt-Erfolg sind, ist er gegenüber den Allerbesten deutlich im Nachteil.

Dass sich Evenepoel in Katalonien unterordnete, heißt aber nicht, dass er dies auch bei der Tour so handhabt. Zumal jene mit einem hügeligen Teamzeitfahren beginnt, bei dem die Zielzeit eines jeden Profis persönlich zählt. Evenepoel, weltbester Zeitfahrer, wird die Chance in Barcelona auf jeden Fall und ohne Rücksicht auf Lipowitz nutzen wollen, um ins Gelbe Trikot zu fahren. Zumal der Tour-Sieg immer noch der große Traum Evenepoels ist, der bei Red Bull mit einem geschätzten Jahressalär von über sechs Millionen Euro zum zweitbestbezahlten Profi nach Tadej Pogacar geworden ist.

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