Das Muster: Wer startet besser?

von Redaktion

München, Ingolstadt und die Bedeutung des ersten Tores – Lob für den Einspringer Wolf

Mit einem sicheren Vorsprung gelingt alles: Hier arbeitet Tobias Rieder den Puck am Ingolstädter Goalie Davin Williams zum 5:2 vorbei. © Red Bull/City-Press

München – „Der Start ist wirklich wichtig, die ersten fünf Minuten werden unser Fokus sein“, formulierte Mark French, der Trainer, nach dem zweiten Spiel, was seine Ingolstädter sich fürs dritte Spiel vornehmen würden. Und dann: 2:0 für den Gegner, den EHC Red Bull München, schon nach knapp drei Minuten. French: „So wollten wir nicht beginnen. Es ist hart, wenn du hinterherjagen musst. Wir müssen einige Anpassungen vornehmen.“ Für Spiel vier heute (19.30 Uhr). In der Viertelfinal-Serie zwischen den beiden oberbayerischen Teams steht es 2:1 für München.

Die Serie folgt einem Muster: Wem der erste Treffer gelingt, der gewinnt das jeweilige Spiel. Das erste: Münchner 5:6-Niederlage nach 0:4-Rückstand (0:1 nach 5:22 Minuten). Das zweite: Souveräner 6:1-Sieg des EHC in Ingolstadt (Torpremiere in der 10. Minute). Das dritte: Ruckzuck 2:0 für München. „Es ist ein wichtiges Element, wie man reinstartet“, erklärt EHC-Stürmer Markus Eisenschmid, der 1:0-Mann am Sonntag im SAP Garden. Zwischen München und Ingolstadt läuft gerade ein Wettbewerb im Loslegen-wie-die-Feuerwehr.

Eisenschmid sagt: „Wir haben das noch angesprochen kurz vor dem Spiel.“ Doch das geschieht eine Kabine weiter auch, keiner will den Auftakt verschlafen. Wie also schafft man es, wachsamer zu sein als der Gegner? „Schwer zu sagen“, meint Eisenschmid, findet aber einen möglichen Grund: „Es war wichtig, dass wir im ersten Spiel diesen Rückschritt hatten und für uns daraus gelernt haben.“ Eine segensreiche Lektion, mit einem 0:4-Rückstand umgehen zu müssen. „Was man gelernt hat, sollte man nicht vergessen. Deshalb wollen wir so weitermachen.“ EHC-Trainer Oliver David sah neben dem Willen auch Glück im Spiel: „Wir hatten auch Tore, die normal nicht reingehen.“

107:20 der bisher gespielten 180 Minuten lag der EHC vorne, 54:38 Minuten hinten, 18:02 Minuten stand es unentschieden. Das war am Sonntag auch kurz der Fall, als Ingolstadt Mitte des zweiten Drittels auf 2:2 ausgleichen konnte. Coach David hat nicht vergessen, dass in solchen Situationen während der DEL-Hauptrunde öfter mal ein Einbruch erfolgte. Diesmal nicht: „Die Köpfe waren nicht unten, kein Kinn auf der Brust. Bemerkenswert, dass das jetzt der Fall ist.“

Denn der EHC hat einige personelle Unpässlichkeiten zu bewältigen: Fabio Wagner musste das Spiel am Sonntag gegen seinen Ex-Club Ingolstadt nach wenigen Einsätzen abbrechen, ihn überkam die Migräne (er wird heute aber wieder mitwirken können). Ryan Murphy, der das Aufbau- und Überzahlspiel orchestriert und der Mann mit der meisten Eiszeit ist, fällt mit „head issues“ (Oliver David) aus. Murphy wurde im zweiten Spiel von ERCI-Verteidiger Morgan Ellis in die Bande gewuchtet. Wenig verwunderlich, dass daraus eine Gehirnerschütterung resultiert, Murphys zweite in dieser Saison. Und dann ist da noch der (Aus-)fall Antoine Bibeau. Der Torhüter stand seit dem ersten Viertelfinale nicht mehr im Kader, der Trainer spricht nicht von Verletzung, sondern von „sickness“. Müsste also bald wieder was werden mit Bibeau – doch Oliver David sagt auch über Simon Wolf, der die Nummer eins gerade vertritt: „Er war fantastisch, hat drei bis fünf Tore verhindert mit seinen Saves. Hoffentlich geht das so weiter.“ Das klingt so, als stünde Simon Wolf mindestens auch im vierten Match im Kasten.

Simon Wolf: Wenige Spiele, aber viel Training

Der 21-Jährige, so räumt David es ein, habe dieses Jahr „nicht oft gespielt“. Wie schon 2024/25, in seiner ersten Saison in München, bekam Wolf nur sieben (der 52) Hauptrundenspiele mit München, er war die Nummer drei hinter Mathias Niederberger und Evan Fitzpatrick (24/25) und hinter Bibeau/Niederberger (25/26). Dazu kamen in dieser Spielzeit zwölf Einsätze mit Förderlizenz beim Zweitligisten Weiden. „Wenn er einspringen musste“, sagt Oliver David über Simon Wolf, „war er immer ruhig, cool, bei sich. Und er hat viel Training, viele Leute in seiner Ecke.“ Seit sieben Jahren ist der gebürtige Franke im Red-Bull-System.

„Wolfi spielt unglaublich“, sagt Markus Eisenschmid nach Partie zwei und drei, aus denen Wolf mit 94,6 Prozent Fangquote geht. Als Feldspieler denke man „gar nicht dran, wer drinsteht, ob das ein Routinier oder ein Junger ist“. Grund: „Gar keine Zeit.“GÜNTER KLEIN

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