Da war er endlich drin: Havertz traf nach VAR-Entscheidung in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit vom Punkt zum erlösenden 1:0. © Christian Charisius
Dank der Kollegen an Torschützen Havertz. © KIENZLE
Oh Schreck: Fatawu traf zum 1:1. © IMAGO
Danke, Deniz! Die Stuttgarter Fans feierten Undav schon, als er noch auf der Bank saß. Nach dem 2:1 aber umso mehr. © IMAGO/Becker
Stuttgart – Handspiel im Stuttgarter Stadion – da war doch was! Doch anders als im EM-Viertelfinale 2024 profitierte am Montagabend nicht der Gegner, sondern die deutsche Nationalmannschaft vom Schiedsrichterpfiff. Weil 633 Tage nach Spaniens Marc Cucurella im letzten Testspiel vor der WM-Nominierung der Arm von Ghanas Jonas Adjetey den Ball im Strafraum berührte, ging das Team von Julian Nagelsmann endlich in Führung. Der Elfmeter von Kai Havertz (45.+3) war wichtig, der Siegtreffer von Deniz Undav (88.) nach dem Ausgleich durch Abdul Fatawu (70.) noch wichtiger. Ausgerechnet der Stuttgarter Junge rettete die aufkeimende WM-Euphorie: 2:1 (1:0) im letzten Moment.
„Zusammen Geschichte schreiben“, hatten die Fans in ihrer Choreographie angezeigt – die Pläne für die WM in den USA, Kanada und Mexiko sind groß. Zwei Siege zum Start ins Turnierjahr waren da schon mal ein guter Anfang, aber man sah an diesem nasskalten Abend im Schwabenland: Arbeit gibt es gut eineinhalb Monate vor der Kader-Nominierung trotzdem noch. Vorne, wo man deutlich öfter hätte treffen können. Und hinten, wo man wackelte – und dann doch andere Kaliber warten als Ghana.
Nach dem Schweiz-Spiel hatte der Chefcoach vier Mal getauscht. Für Oliver Baumann spielte Alexander Nübel in seinem „Wohnzimmer“ im Tor, im Feld durften Nathaniel Brown, Pascal Groß und der aktive, aber glücklose Nick Woltemade ran. Deniz Undav hingegen blieb da, wo der Bundestrainer seine Rolle sieht: auf der Bank. Der Stuttgarter soll als Joker stechen, da halfen selbst die wiederkehrenden „Deniz Undav“-Sprechchöre der Fans nicht. Lustig waren sie trotzdem.
Dass die Offensive auch ohne ihn rollen wollte, sah man schnell – und zwar wieder angetrieben von Florian Wirtz. „Er soll nicht das Gefühl haben, dass alles auf ihm lastet“, hatte Nagelsmann vor der Partie gesagt, aber er drückte der Partie halt wieder schnell seinen Stempel auf. Nach einem Traumpass auf Havertz kam es durch Woltemade zur ersten Chance (4.), per Freistoß war Wirtz selbst nah dran am 1:0 – Außenpfosten. Die DFB-Elf gab Vollgas nach vorne, die Fünferkette der Gäste wirkte verunsichert und wild. Und dass Jonas Adjetey nicht Rot für seine Notbremse sah, war Glück.
Ghana kam nicht zurecht mit dem deutschen Gegenpressing. Die Räume waren da, die Ideen auch – aber man konnte all den Schwung vor der stimmungsvollen Stuttgarter Kulisse nicht für einen Treffer nutzen. Als Ghana nach knapp 27 Minuten das erste Mal vor dem DFB-Kasten auffällig wurde, ärgerte man sich doch über die vielen vergebenen Chancen in der Anfangsphase. Immerhin: hinten stand die Viererkette sicherer, Brown gewann viele Duelle. Und vorne kam es nach vergebener Tah-Chance und Abseitstor von Wirtz zur VAR-Überprüfung. Klare Sache, Havertz nahm sich den Ball und verwandelte. 1:0 zur Pause.
Karl, Rüdiger und – endlich – Undav durften ran. Karl belebte das Spiel, aber die Warnschüsse von Adu und Ayew deuteten an, was dann passierte. Köhn ließ Vagnoman links liegen, Joker Fatawu stach. Aber der deutsche Joker stach auch: Goretzka passte Sané – und Undav traf. Der Himmel weinte, die Fans feierten.H. RAIF, V. TSCHIRPKE