ZUM TAGE

Die Aufregung um Undav ist sinnlos

von Redaktion

Nagelsmann genervt

Man konnte Julian Nagelsmann auf der Pressekonferenz nach der Partie gegen Ghana allzu gut verstehen. Sichtbar genervt von den anhaltenden Diskussionen um Deniz Undav ärgerte sich der Trainer: „Es war jetzt ein Sieben-Tage-Dauerthema.“

Dabei ist in der Debatte noch lange kein Ende in Sicht. Nagelsmann bekommt von zahlreichen Medien für seinen Umgang mit dem VfB-Stürmer Kritik, von vermeintlichen „Fans“ in den Sozialen Medien noch deutlich heftigere Anschuldigungen bis zu persönlichen Beleidigungen. Dabei geht es um die Rolle, die Nagelsmann in seinem Team für Undav vorsieht, und seinen medialen Umgang mit ihm.

Doch ist all dieser Gegenwind überhaupt berechtigt? Dafür lohnt sich ein Blick auf die Fakten. Nagelsmann hat seit seiner Nominierung Undavs erklärt, dass er ihn als Joker sieht. Das ergibt aufgrund seines Kaders Sinn: Hinter den Spitzen verfügt der Bundestrainer mit Jamal Musiala und Serge Gnabry über zwei Ausnahmespieler, auch Florian Wirtz und Lennart Karl könnten dort spielen. Alle vier Profis verfügen über ein ähnliches Profil wie Undav, sind klein, wendig und schussstark. Im Sturmzentrum wiederum sucht Nagelsmann einen Spieler mit anderer Statur, hier haben Woltemade und Havertz den Vorrang.

Dass Undav nun gegen Ghana als Joker traf, zeigt lediglich, dass die Planung des Bundestrainers aufgegangen ist. Genau in diesen Momenten hat der Stürmer schließlich laut Nagelsmann seine Stärken: Wenn der Gegner müde und dementsprechend unsortiert ist, soll er in die gefährlichen Räume stoßen.

Man kann höchstens darüber diskutieren, ob es clever ist, dass Nagelsmann sich in seinen Planungen mit Undav derart in die Karten schauen lässt – und ob er damit demotivierend wirkt. Als er jedoch erklärte, dass Undav mit seinem Siegtor gegen Ghana im Stile eines Topstürmers agierte, davor aber kein gutes Spiel absolviert hatte, hatte Nagelsmann Recht. Und seine Rollenverteilung wegen eines Treffers zu verändern, ergibt keinen Sinn – Fußballdeutschland sollte sich also ein anderes Diskussionsthema suchen.

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