Für ihn war vorzeitig Schluss: Jeremy McKenna bekam eine Spieldauerdisziplinarstrafe und muss mit einer Sperre durch die Liga rechnen. © Red Bull/City-Press
Ingolstadt – So sind Playoffs: Es fallen reichlich Tore, es wogt hin und her, jedes Spiel entwickelt eine spezielle Geschichte. Die im vierten Viertelfinal-Match zwischen dem ERC Ingolstadt und dem EHC Red Bull München war: Die „Schanzer Panther“, in der Best-of-Seven-Serie 1:2 hinten gelegen, spielten wie verwandelt auf, durch den 7:2 (5:0, 1:1 , 1:1)-Sieg glichen sie zum 2:2 aus. Die Münchner hingegen ließen jegliche Disziplin vermissen. „Dafür bezahlen wir“, sagte ihr Angreifer Chris DeSousa. Für den schlimmen Schlussakzent sorgte Münchens Ex-Ingolstädter Fabio Wagner, der Gegenspieler Edwin Tropmann über den Haufen fuhr. Die letzten zwei Minuten ließ man herunterlaufen, ohne dass noch gespielt wurde – während Tropmann notversorgt wurde.
Ein solches erstes Drittel hatte der EHC nicht erwartet – und in diesem Ausmaß auch noch nicht erlebt, schon gar nicht in den Playoffs. Der Spielstand nach 20 Minuten: 0:5. Der Ingolstädter Stürmer Daniel Schmölz hatte angekündigt, dass sein in den vorangegangenen beiden Partien startschwaches Team, diesmal wirklich „hart aus der Kabine kommen“ und auch in der Defensive ganz anders vorgehen würde: „Wir werden unseren Slot verteidigen.“ Das hatte ERCI-Coach Mark French nach 16 Gegentreffern aus drei Begegnungen als Schwäche identifiziert: Man gestattete den Münchnern zu viele Schüsse aus bester Position.
Nach dem frühen 1:0 nun für Ingolstadt (Philipp Krauß, 4. Minute) sprang Vorbereiter Daniel Pietta trotz seiner fast 40 Jahre begeistert an der Plexiglasumrandung hoch. Dieses erste Tor war das einzige des furiosen Auftaktdrittels, das im Spiel Fünf gegen Fünf fiel. Danach veränderte eine Aktion des Münchners Taro Hirose alles. Ein harter Check gegen Ingolstadts Verteidiger Eddie Tropmann trug ihm eine Fünf-Minuten-Strafe ein, an der hitzigen Abrechnung beteiligten sich Spieler beider Seiten – doch die Schanzer hatten danach Überzahl. Sie nutzten sie exzellent: Drei Treffer in der 11. Minute (zwei durch Torjäger Riley Barber, eines durch ein Sensationssolo von Offensivverteidiger Alex Breton) – München erlebte albtraumhafte 50 Sekunden. In der 19. Minute legte bei Vier gegen Vier Miles Powell das 5:0 nach – möglich, weil beim EHC der hochtalentierte Lette Alberts Smits strauchelte, und zwar direkt vor der Stahlrohrtribüne, wo drei NHL-Scouts saßen.
„Wir wissen: Wir sind heimstark“, sagte Peter Spornberger vom ERC, „aber es wird noch ein harter Weg.“ Denn die Ingolstädter hatten noch präsent, wie ihnen eine 4:0-Führung zum Serienauftakt in München fast noch entglitten wäre. Der EHC versuchte sich am Comeback. Eine Maßnahme war ein Torwartwechsel: Antoine Bibeau, zwei Spiele ausgefallen und am Dienstag zunächst Backup-Goalie, löste Simon Wolf ab. DeSousa gelang der Anschlusstreffer (26.), Veit Oswald das 2:6 (44.), doch weitere Strafzeiten brachten den EHC aus dem Takt. Schmerzen könnte die große Strafe für McKenna nach Videobeweis – da droht eine Sperre fürs nächste Spiel am Donnerstag in München. Auch Dillon Heatherington nahm sich final aus dem Spiel.GÜNTER KLEIN