1860

Verlaat läuft die Zeit davon

von Redaktion

Verlängern oder nicht? Vertrags-Debatte um den Sorgenlöwen

Läuft in dieser Saison nebenher: Jesper Verlaat, aktuell wieder verletzt, ist bei 1860 zu einer Randfigur geworden. © IMAGO

München – Tag der Vereinslegenden im Grünwalder Stadion. Für unser neues Onlineformat „Absolut Sechzig“ geben sich Giesinger Größen die Klinke in die Hand: Meisterlöwen, Präsident Gernot Mang, dazu Aufstiegshelden und Kultfans wie Roman Wöll. Einer, der bei einer Neuauflage sicher dazugehören würde: Jesper Verlaat (29). Fraglich ist nur, ob dann noch als aktiver Löwe.

Kapitän, Abwehrchef, Fanliebling – und in dieser Saison ein Sorgenlöwe. Seit seiner Verletzung Mitte September kommt der Niederländer nicht mehr richtig auf die Beine. Rückschlag im Winter in Belek, jetzt der nächste Dämpfer vor dem Totopokal. Sein Vertrag läuft im Sommer aus – und der Verein macht bislang keine Anstalten zu verlängern. Die Spiele werden weniger, die Zeit läuft – aktuell gegen Verlaat.

Dabei schien alles angerichtet für ein Comeback. Verlaat meldete sich Ende Februar fit, wirkte bereit für die entscheidende Phase. Doch vor dem Halbfinale im Landespokal der nächste Rückschlag. „Er hat nach einem Zusammenprall einen sehr starken Schlag abbekommen“, berichtete Trainer Markus Kauczinski nach dem Finaleinzug in Regensburg (mit dem erneut starken Vertreter Max Reinthaler): „Es ist nichts kaputt, aber Jesper hat eine Einblutung davongetragen. Wir können noch nicht abschätzen, wie lange es dauert.“

Abwarten also – wieder einmal. Und im Umfeld wächst das Unverständnis. Vor allem Roman Wöll findet beim Legenden-Tag klare Worte: „Ich würde auf alle Fälle mit ihm verlängern“, sagt der Allesfahrer: „Es gibt keinen Grund, warum nicht. Bloß weil er ein halbes Jahr verletzt war.“ Für viele Fans steht dabei nicht nur die sportliche Qualität im Vordergrund.

Auch Meisterlöwe Fredi Heiß plädiert eindeutig für einen Verbleib: „Auf jeden Fall verlängern – das ist hinten eine Figur, an der man sich orientieren kann.“ Verlaat sei längst „ein Aushängeschild“ des Vereins. Ein Spieler also, der über das reine Leistungsprinzip hinaus Bedeutung hat.

Differenzierter sieht es Hansi Reich: „Ich würde ihn schon behalten – aber nicht um jeden Preis. Der Verein hat ja kein Geld.“ Zudem habe sich die Defensive auch ohne den Kapitän stabilisiert. Eine Sichtweise, die die wirtschaftliche Realität des Clubs widerspiegelt. Drei Meinungen – und ein Verein in der Zwickmühle.

Am Samstag kommt Waldhof Mannheim ins Grünwalder Stadion. Verlaat wird auch gegen seinen früheren Verein fehlen, sein Ruf in der Liga bleibt dennoch gut. Ohne Angebote dürfte er im Sommer kaum dastehen – doch Giesing ist für ihn längst mehr als nur eine Station geworden. Seine Mama Cassandra vergleicht 1860 mit einem Paar „bequeme Schuhe“.

„Ich weiß, was ich am Verein habe. Dass ich mich wohlfühle, ist kein Geheimnis“, sagte Verlaat bei einem Termin im Landtag Ende November. Und obwohl er bald 30 wird: „Nur weil eine 3 vorne steht, wirst du im Fußball oft als alt abgestempelt. Das ist Quatsch, finde ich.“

Der Ausgang? Offen. Ein Kompromiss scheint möglich – das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.ULI KELLNER

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