München – Mitarbeiter am FC Bayern Campus müsste man sein! Denn für die Kulinarik ist dort in dieser Saison gesorgt wie seit der Eröffnung im Jahr 2017 nie zuvor. Die Kantine steht mittags sowieso Tag für Tag kostenfrei zur Verfügung, zuletzt aber gab es auch noch regelmäßig gemeinsame Frühstücke. Zum sechsten Mal in der laufenden Saison lud Campus-Chef Jochen Sauer vergangene Woche zu Weißwürsten in die Kantine ein. Und eigentlich müssten noch ein siebtes, achtes und neuntes Mal folgen. Nur kommt man aktuell mit der Tradition kaum nach.
„Wir wollten uns eigentlich zusammensetzen, um das Profi-Debüt von Maycon Cardozo zu feiern. In der Zwischenzeit hatten wir aber schon drei weitere Einstände mit Deniz Ofli, Filip Pavić und zuletzt Erblin Osmani“, sagte Sauer bei der Begrüßung all der Mitarbeiter, die sich in Freimann um die Nachwuchsteams des deutschen Rekordmeisters kümmern. Das Grinsen war breit, die Freude trotz des Wurst-Staus natürlich riesig. Denn jedem ist bewusst, dass die Antwort auf die Dauer-Kritik am Campus nicht besser hätte ausfallen können. Neun Debütanten gab es im Team von Vincent Kompany seit der Club-WM im Sommer und dem ersten Einsatz von Lennart Karl, in den fünf europäischen Topligen ist das mit Abstand Spitzenwert.
Vor den vergangene Woche gefeierten durften bereits Wisdom Mike, David Santos Daiber, Cassiano Kiala und Felipe Chavez ran. Dass Pavic als erster Spieler des Jahrgangs 2010 eingesetzt wurde und zuletzt auch der erst 16 Jahre junge Osmani, zeigt das Potenzial, das am Campus schlummert. Und trotzdem nutze Sauer die Weißwurst-Bühne auch dafür, Vincent Kompany in seinen Ansichten zu bestärken. Der Chefcoach fördert die Jugend wie lange kein anderer Trainer.
Sehr zur Freude von Sportvorstand Max Eberl, der den Nachwuchs gemeinsam mit Sportdirektor Christoph Freund auf Vordermann gebracht hat. „Wir wollen, um es mit den Worten von Vincent Kompany zu sagen, kein „One-Hit-Wonder“ schaffen, sondern nachhaltige Karrieren bauen. Mit Lennart Karl haben wir einen absoluten Durchstarter, und wir haben einige andere, die ihr Debüt geben durften“, erklärt Eberl und kündigt an: „Aber das war erst der erste Schritt, die Jungs müssen weiterarbeiten und das gibt unser Trainerteam ihnen jeden Tag mit auf den Weg. Doch die Jungs müssen bereit sein, das auch anzunehmen.“
Die Momentaufnahme ist passend für Worte wie diese. Denn auch intern ist allen bewusst, dass nicht auf einen Schlag alles gut sein kann, was vorher jahrelang am Nachwuchsleistungszentrum kritisiert wurde. Besonders deutlich hatten im vergangenen Sommer Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge darauf aufmerksam gemacht, dass sich der Invest von rund 100 Millionen Euro bis dato noch nicht ausgezahlt habe..
Die Debüts werden nun wahrgenommen, allen ist aber bewusst, dass die rekordverdächtige Bundesliga-Saison sie auch begünstigt. Kompany kann machen, was er will, weil seine Stars beständig liefern. Am Campus geht es daher auch weiterhin um die Zahlen, die man Kritikern schon seit Jahren vorlegt. Die Anzahl der Nachwuchsspieler, die es zum Profi geschafft haben, ist beim FC Bayern am höchsten. Schon 2023 lag sie bei 125 – Tendenz steigend. Das ist das täglich Brot, das nur wenige wahrnehmen. Und wofür es auch keine Weißwurst-Frühstücke gibt…H. RAIF, M. BONKE