Hans-Jürgen Kreische © dpa
Dresden – Hamburg, 1974. Als ganz Deutschland hinsah, war Hans-Jürgen Kreische mittendrin. Das 1:0 der DDR gegen die Bundesrepublik bei der Fußball-WM elektrisierte ein geteiltes Land. Kreische stand im Volksparkstadion auf dem Rasen. Ein Symbol für den ostdeutschen Fußball, aber auch für Individualität im System. „Man spürte: Hier geht es um mehr als nur Fußball“, sagte der Dresdener Spielmacher später.
„Hansi“, wie ihn seine Freunde und Teamkollegen nannten, war eine Ikone des DDR-Fußballs. BRD-Mitbesieger bei der WM 1974, Olympia-Dritter 1972 in München, 50-maliger Auswahlspieler, viermaliger Torschützenkönig der DDR-Oberliga. Jetzt ist Kreische im Alter von 78 Jahren gestorben, wie sein Club Dynamo Dresden bestätigte.
„Hansi war ohne Zweifel einer der größten Sportler seiner Zeit. Als junge Kerle haben wir zu ihm aufgeblickt, wie zu kaum jemand anderem. Wenn er den Platz betrat, waren magische Momente nicht weit“, sagte Kreisches Wegbegleiter, der frühere Dynamo-Sportchef Ralf Minge. Auch international hinterließ Kreische Spuren: Vor allem das WM-Spiel 1974 gegen den großen Nachbarn hinterließ einige Anekdoten wie die sogenannte „Whisky-Affäre“. „Wir flogen nach dem 1:0 gegen die BRD von Hamburg nach Düsseldorf. Neben mir saß ein Herr, mit dem ich ins Gespräch kam. Er fragte mich, wer Weltmeister werden würde. Ich tippte auf die BRD, worauf mein Nachbar mir fünf Flaschen Whisky versprach, falls dies eintreffen würde“, sagte Kreische. DPA