BASKETBALL

Die Spitze des Wahnsinns

von Redaktion

Vier Deutsche spielen um den College-Titel – Bundesliga schaut in die Röhre

DBB-Kapitän Schröder befürwortet die Entwicklung.

Eric Reibe spielt mit UConn um den Titel. © Chinn/AFP

Der FCB-Führung um Dragan Tarlac (re.) und Herbert Hainer sind die Hände gebunden. © IMAGO (2)

Im NFL-Stadion der Indianapolis Colts steigt das Final Four der College-Meisterschaft. © Hales/AFP

Der Münchner Ivan Kharchenkov verdient am College viel mehr als beim FC Bayern. © Henderson/AFP

Indianapolis – Statt mit dem FC Bayern in der Bundesliga gegen den Mitteldeutschen BC spielt Basketball-Nationalspieler Ivan Kharchenkov am Wochenende vor rund 70.000 Zuschauern im NFL-Stadion der Indianapolis Colts. Dass er es als Leistungsträger mit den Arizona Wildacts ins Final Four der March Madness schaffen würde, dem legendären College-Turnier in den USA, konnte ihm beim Wechsel im Sommer niemand garantieren. Dass er dort als Student aber deutlich mehr Geld verdienen würde, als beim deutschen Meister als Profi, das war sicher.

Der 19 Jahre alte Kharchenkov profitiert von einer Revolution in den USA, die aus Teenagern Millionäre macht – und den Managern aus der Bundesliga Kopfzerbrechen bereitet. „Wir erleben einen unaufhaltsamen Exodus, die FIBA (Basketball-Weltverband, d.Red.) und die nationalen Verbände können den Teams aus Mangel an Strukturen nicht helfen“, sagte Bayerns Sport-Geschäftsführer Dragan Tarlac. Himar Ojeda von Alba Berlin klingt ähnlich. „Wir versuchen, uns anzupassen“, sagte der Sportdirektor, „aber das Geld am College ist unschlagbar“.

Im Duell Arizona gegen Michigan steht dem Münchner Kharchenkov in der Nacht zu Sonntag (2.54 Uhr) im Oberhausener Malick Kordel ein weiterer Deutscher gegenüber. Eric Reibe aus Hannover und Dwayne Koroma aus Berlin gelang mit UConn ein sensationelles Comeback und ebenfalls der Einzug ins Halbfinale. Die Liste der deutschen Spieler in der Universitäten-Liga ist noch deutlich länger.

NIL – Name, Image and Likeness – ist das Stichwort, das nach einem Gerichtsurteil in den USA alles verändert hat und auch die Manager in Europa umtreibt. Seit 2021 dürfen Athleten auch als Studenten Geld verdienen – für Marketing- und Werbemaßnahmen.

Aus Amateuren mit NBA- oder Euroleague-Hoffnungen sind so de-facto-Profis geworden. „Die große Mehrheit der deutschen Jungs verdient unter 100.000 Euro“, sagte Spieleragent Milan Nikolic im vergangenen Sommer dem rbb. „Trotzdem bekommen viele von ihnen ein Vielfaches dessen, was sie als junge Spieler in Deutschland bekämen.“

Die Clubs in Europa aber gehen leer aus, Ablösesummen müssen Unis für die Spieler keine bezahlen. Nationalmannschafts-Kapitän Dennis Schröder, inzwischen in seinem 13. NBA-Jahr und selbst Teambesitzer der Löwen Braunschweig, befürwortet dagegen die Entwicklung: „Ich finde es gut, dass viele Europäer einfach so eine geile Plattform bekommen und wirklich gutes Geld machen.“

Doch eine Karriere an der Uni dauert nur etwa drei bis vier Jahre, Ojeda verfolgt deshalb einen einfachen Plan: „In Verbindung bleiben. Denn wenn sie mit dem College fertig sind, könnten sie wieder für Alba spielen.“DPA

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