„Er hat die Entschuldigung angenommen“

von Redaktion

Fabio Wagner über seinen Anruf bei Edwin Tropmann und die 14-Spiele-Sperre

Ewdin Tropmann hat das Krankenhaus verlassen. © Instagram

Zum Eishockey erst mal in Zivil: Fabio Wagner, der bis Saisonende gesperrt ist. © Red Bull

München – Fabio Wagner war am Donnerstagabend im Stadion beim Spiel München gegen Ingolstadt – nach und trotz seiner 14-Spiele-Sperre durch die Disziplinarkommission. Für ihn muss es ja auch irgendwie weitergehen in diesen Tagen nach der Aktion gegen Edwin Tropmann, die weit über die Eishockey-Bubble hinaus gewirkt hat. Wagner sagte unserer Zeitung: „Ich werde meine Mannschaft supporten.“ Er trainiert auch ganz normal weiter. Vor allem sagt er: „Ich habe einen Fehler gemacht und akzeptiere die Strafe.“

Am Mittwoch, am Tag nach dem Skandalspiel in Ingolstadt, bei dem sein Team 125 Strafminuten sammelte, rief er bei Edwin Tropmann im Krankenhaus an: „Ich habe mich bei ihm entschuldigt – und er hat die Entschuldigung angenommen.“ Die erste Nacht hatte der Ingolstädter Verteidiger, den Wagner 100 Sekunden vor Schluss der Partie umgefahren hatte, auf der Intensivstation verbracht, danach wurde er auf die Normalstation verlegt; am Donnerstag konnte er das Krankenhaus verlassen. Fabio Wagner darf diese Saison nicht mehr in der DEL spielen, die Sperre geht bis 8. Mai – und wenn München keine 14 Spiele mehr absolviert in den derzeit laufenden Playoffs, dann fallen für Wagner auch Partien in der kommenden Saison flach. Die Sperre beschränkt sich allerdings auf die Liga; für die Nationalmannschaft könnte er bei der WM ab Mitte Mai in der Schweiz antreten. Er wäre „bereit, wenn ich nominiert werde“. Derzeit wird unter Fans auch diskutiert: Würde das passen? Sportlich ist er unumstrittener DEB-Stammspieler, bei den Olympischen Spielen gehörte er mit den NHL-Stars Moritz Seider und Leon Draisaitl zur Starting Six.

In die Rolle des Buhmanns ist Fabio Wagner recht unvermittelt geraten. Wahrgenommen wurde er über seine beeindruckende Strecke von 360 Spielen am Stück. Das heißt: keine Verletzung, kein Ausfall durch Erkrankung – aber auch keine Sperre. Eine hatte er. „Vor zehn Jahren mal.“ Man beschreibt ihn als hart. Was in seinem Fall immer bedeutete: hart gegen sich selbst. Ein Vieltrainierer, topfit, als Verteidiger bereit, Schüsse zu blocken. Sein Vater Bernd, auch er Verteidiger (beim EV Landshut) und in den späten 80er- und frühen 90er-Jahren Nationalspieler, hatte ihn schon als Kind trainiert und ihm diese Arbeitsmentalität mitgegeben.

Härte gegen andere? Ja, auch das, bringt der Job mit sich. „Aber ich glaube, ich habe mich innerhalb der Grenzen bewegt.“ Am Dienstag nicht. Er sieht es ein, und es gibt Spieler in der deutschen Eishockey-Geschichte, die für ein Vergehen hart abgestraft wurden und sich sonst nichts haben zuschulden kommen lassen. Konkret bei Fabio Wagner hätte es in Ingolstadt auch anders laufen können: Sechs Sekunden, bevor er auf Tropmann traf, hatte er die Chance, ein Tor zu schießen – es wäre das 3:7 gewesen –, er war bei einem Konter durchgebrochen, scheiterte an ERCI-Keeper Devin Williams. Ein Treffer – und die Szene danach hätte es nicht gegeben.

„Es ist, wie es ist“, sagt Wagner. Er hofft auf baldige Normalität. „Ich will nicht, dass meine Familie unter Drohungen zu leiden hat.“GÜNTER KLEIN

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