Eberls Vertrag läuft bis Juni 2027. © Ruiz
Treffen an der Säbener: Max Eberl (M.) beim Gespräch mit unseren Reportern Hanna Raif und Manuel Bonke © Ruiz
Spezielle Beziehung: Bayerns Sportvorstand Max Eberl und Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß, hier bei einem Gespräch im Trainingslager. © Inderlied/dpa
Es ist noch nicht lange her, da stand Max Eberl in der Kritik: zu dünner Kader, zu hohe Gehälter, zu wenig eigene Talente – so lauteten die Vorwürfe im vergangenen Sommer. Knapp ein halbes Jahr später thront der FC Bayern an der Tabellenspitze, die Nachwuchsstars glänzen und sein Rekordtransfer, Luis Diaz, ist voll eingeschlagen. Ob Eberl Genugtuung verspürt? Das Interview mit dem Sportvorstand.
Herr Eberl, wie bange haben Sie diese Länderspielwochen verfolgt?
Wir haben schon sehr genau hingeschaut, was passiert, weil die März-Abstellperiode 2025 für uns heftig war. Leider kann ich bei Ihnen in der Zeitung nicht auf Holz klopfen, aber das würde ich gerne. Wir sind froh, dass fast alle gesund zurück sind. Bei Harry müssen wir jetzt noch etwas abwarten, aber da denken wir eher an Tage.
Sie haben mal gesagt: „Im Fußball ist höchstens 80 Prozent planbar.“ Hat man diese 80 Prozent in der Vorbereitung auf den Real-Kracher erreicht?
Wir glauben, denken und fühlen, dass wir von den 80 Prozent viel geschafft haben. Dass wir uns in diese wunderbare Situation gebracht haben, uns auf die Crunchtime freuen zu können. Wir gehen Real mit der gebotenen Demut an, aber unser Selbstvertrauen ist groß nach den vergangenen sieben Monaten.
Wie viel Freiburg, wie viel Real ist in den Köpfen?
Unser Fokus liegt auf Freiburg. Wir wollen Meister werden, wir wollen die Punkte einfahren, um den Titel möglichst schnell fix zu machen. Insofern: Nur Freiburg, ab Samstagabend dann Real.
Jamal Musiala fehlt noch, Bundestrainer Julian Nagelsmann sagte auch mit Blick auf die WM: „Er hat nicht mehr viel Zeit.“ Macht man ihm unnötig Druck?
Wichtig ist, dass Jamal selber an die 100 Prozent kommen möchte. Das Kribbeln steigt auch bei ihm, er macht sich da selbst ja am meisten Druck. Er will seine Leistung bringen, seine Fähigkeiten zeigen – um zuerst uns und dann dem deutschen Fußball bei der WM helfen zu können. Dafür hat er genug Zeit.
Eigentlich wollte er jetzt schon wieder topfit sein.
Das war eine wirklich schwere Verletzung. Uns war klar, dass der Prozess der Rückkehr dauern wird. Es bedarf dieser Zeit, physisch wie psychisch, auch wenn sie gefühlt höllenlang ist. Der kleine Rückschlag gegen Bergamo – das geht in Wellen auf und ab. Wir geben ihm Ruhe und Vertrauen, signalisieren ihm Gelassenheit, damit er im Kopf frei sein kann. Und wenn er demnächst dann wieder einen goldenen Moment kreiert, sobald er ins Spiel kommt, ist die Verletzung mit einem Wimpernschlag vergessen.
Wie viel Spaß macht es aktuell, Sportvorstand des FC Bayern zu sein?
Es ist deutlich angenehmer, wenn du beim FC Bayern Ergebnisse bringst und eine sehr stabile sportliche Situation hast. Einen Perspektivkader, eine gute Chemie in der Mannschaft, einen herausragenden Trainer, ein vergleichsweise ruhiges Umfeld – und die Spiele der Spiele vor der Brust. Man darf das genießen, sich aber nicht zurücklehnen.
Wir beamen Sie mal auf den Arena-Sitz: 15. April, 21 Uhr – Muffensausen?
Ich weiß ja jetzt noch nicht, wie das Hinspiel läuft (lacht). Aber ich glaube, dass ich im Rückspiel nicht entspannt im Sitz sitzen werde, sondern nervös. Auch wenn bei Real in dieser Saison eine Zeit lang nicht alles top war, rollt eine Bestie auf uns zu, die weiß, wann sie zubeißen muss. Und wir müssen genau dafür bereit sein.
Ist das Spiel 50:50 – oder schwingt das Pendel doch in Richtung Bayern aus?
Was wir uns erarbeitet haben, gibt uns ein gutes Gefühl. Aber Real ist nicht umsonst der Rekord-Champions-League-Sieger, der genau in solchen Momenten noch mal eine besondere Magie entwickeln kann. Wir sind trotzdem so selbstbewusst, dass wir sagen können, dass es ein 50:50-Spiel ist.
Bei dem ganz Europa auch auf ihren Trainer Vincent Kompany blickt…
Das sollen sie ruhig, er hat bis 2029 Vertrag (schmunzelt). Auch wenn er erst 40 wird: Er gehört schon jetzt zur ganz großen Trainer-Gilde. Weil er ein sehr schlauer, intelligenter Mensch ist. Das Wort Mensch bitte unterstreichen! Die Leute hatten schon immer Respekt vor ihm. Aber er lässt diesen Respekt jeden Tag wachsen. Indem er einfach er selber ist.
Uli Hoeneß hat über den Moment gesprochen, in dem er Ihnen im ersten Gespräch mit Kompany den „Daumen hoch“ gezeigt hat. War das wie ein Ritterschlag für Sie?
In dem Moment habe ich gefühlt, dass der Rest der Gruppe sofort dasselbe von Vinnie dachte wie ich. Es gab dann den Schlag von Uli auf meinen Oberschenkel – Gott sei Dank nicht zu hart – und den Daumen nach oben. Das hat mir schon ein gutes Gefühl gegeben.
Was macht Sie stolzer: Leistungsträger in Topform – oder elf Campus-Talente?
50:50. Aber man kann das eine auch nicht losgelöst vom anderen betrachten. Meine Aufgabe ist klar: Du sollst Kaderkosten reduzieren, Qualität haben, den Campus integrieren – das hört sich erst mal simpel an. Aber das zu schaffen, bedarf viel Arbeit, Ruhe und Klarheit. Bewusst machen wir die Arbeit parallel und nicht nacheinander: Bei der Forderung der Reduzierung der Kaderkosten die gleichzeitige Sicherung der sportlichen Stärke. Denn sonst wären wir heute nicht da, wo wir sind. Wir im Sport haben uns stets für alles eingesetzt, was wir für machbar halten.
…und die finanziellen Vorgaben hier und da ausgereizt.
Wir sind schon auch mal an der Kante gesegelt. Aber wir sind auf einem guten Weg, auch wenn er steinig ist. Einer, zu dem kontroverse Diskussionen übrigens dazugehören. Ich kann für mich sagen: Sie finden immer auf einer guten Ebene statt.
Mit wem diskutieren Sie denn am liebsten?
Zuerst mit Vinnie und Christoph (Freund) über die Spieler, in den Gesprächen mit Jan (Dreesen), kommt dann außerdem noch der finanzielle Aspekt dazu. Des Weiteren mit dem Aufsichtsrat um Herbert Hainer, Uli und Kalle, die sowieso ins Spiel kommen, wenn die Summen größer werden. Diskussionen mit ihnen sind einfach „FC Bayern“. Sie wollen das Beste für den Verein. Genau wie ich übrigens.
Was war Ihr größter Lerneffekt in München?
Ein Stück weit das wegzudrängen, was von außen an dich herangetragen wird. Ich wurde in meiner ganzen Karriere immer mit Argusaugen beobachtet.
Inwiefern?
Als ich in Gladbach anfing, bin ich laut Berti Vogts zufällig mit dem Fahrrad vorbeigefahren und habe den Job nur deswegen bekommen. Das war ein Moment, in dem ich Uli Hoeneß angerufen habe und meinte: „Soll ich was sagen?“ Uli meinte damals: „Max, mach deinen Job! Und wenn du deinen Job gemacht hast, dann kannst du was sagen.“ Ich war nie damit gesegnet, dass alle gesagt haben: Gott sei Dank, der Max ist da. Es war eher immer: Der Eberl, was ist das für einer? Ich musste mir alles erarbeiten. Das war in Gladbach so – und ist auch hier so.
Trotzdem hat Uli Hoeneß letztens in einem Interview auf die Frage nach ihrer Vertragsverlängerung als Sportvorstand sehr defensiv reagiert. Wünschen Sie sich mehr Rückendeckung?
Das sind wir wieder beim Thema Lernen: Da habe ich gelernt, wie es bei Bayern läuft. Wenn ich meinen Job für den FC Bayern gut mache, werden die Menschen, mit denen ich häufig diskutiere und spreche, auch ihre Entscheidungen treffen.
Macht Sie das nicht nervös?
Früher hätte es mich sehr nervös gemacht. Heute sage ich mit meiner erlernten Gelassenheit: Hey, ich mach mein Ding – und dann wird man mir sagen, ob man zufrieden ist oder nicht. Das kann ich tun, alles andere kann ich nicht beeinflussen. Ich spüre in Gesprächen, die nicht in der Öffentlichkeit stattfinden, natürlich schon ein paar Dinge mehr. Wie gesagt: Ich bin ruhig und fokussiere mich auf das, was auf dem Platz passiert.
Verursachen vor allem Vertragsverlängerungen graue Haare?
Sagen wir so: Auch diese internen Transfers, wie ich sie nenne, können teuer sein. Gerade wenn ich über Topspieler spreche. Aber dann muss man immer Quervergleiche ziehen: Das habe ich mit dem jungen Jeremy Jaqucet im Zuge der Verlängerung mit Dayot Upamecano gemacht. Der kostet nach 19 Ligue-1-Spielen 70 Millionen Euro. Das ist der andere Weg.
Es stehen noch einige interne Transfers in nächster Zeit an: Manuel Neuer.
Er ist jetzt 40 geworden, wir haben ihn hochleben lassen. Wir haben in den vergangenen 14 Tagen nochmal gesprochen: Manu wird sich jetzt für die wichtigen Spiele im April vorbereiten und dann werden wir uns hinsetzen und reden.
Und wie sieht es bei Harry Kane aus?
Mit ihm werden wir im Sommer sprechen.
Ihr Gefühl?
Ich sehe ihn, ich spüre ihn. Er fühlt sich – etwas salopp formuliert – sauwohl. Er holt Titel mit der Mannschaft, gewinnt zudem persönliche Auszeichnungen und bricht Rekorde en masse. Seine Wertschätzung ist seit seinem Wechsel zum FC Bayern sogar in seiner Heimat England noch einmal eine ganz andere geworden.
Steht das Basta bei Michael Olise?
Er hat einen Vertrag bis 2029 – mehr muss ich dazu nicht sagen.
INTERVIEW: HANNA RAIF UND MANUEL BONKE