Planen ist mein Sport

von Redaktion

Es gibt einen ziemlich schlauen Trick aus der Psychologie. Man erzählt anderen Menschen, dass man etwas vorhat. Nicht aus Mitteilungsbedürfnis, sondern aus Berechnung. Das nennt sich Public Commitment. Die Idee dahinter ist simpel: Wenn andere davon wissen, zieht man es eher durch. Weil niemand später sagen möchte: Ach so ja, das hab ich dann doch gelassen.

Ein toller Trick eigentlich. Nur leider scheint er bei mir nicht zu funktionieren. Oder anders zu funktionieren. Vielleicht bin ich immun. Ich nutze ihn trotzdem. Ganz bewusst. Wenn ich wieder mit gesunden Vorsätzen anfangen will. In meinem Fall Fitness. Dann sage ich es meiner besten Freundin, meinem Mann und noch ein oder zwei Freundinnen. Ich sage es so, dass es verbindlich klingt. Also nicht: Ich überlege. Sondern: Ich fang jetzt an.

Das passiert fast immer an einem Sonntag. Sonntag ist der Tag, an dem man sich selbst sehr viel zutraut. Sonntag denke ich Dinge wie: Ab jetzt. Diesmal anders. Das fühlt sich sehr überzeugend an. Am Montag fange ich sogar wirklich an. Zehn Minuten. Vielleicht ein bisschen mehr. Danach fühle ich mich stark. Klar. Erwachsen. Ich denke: Siehst du. Geht doch. Und dann mache ich eine Pause. Eine längere.

Wenn mich dann jemand fragt: „Und, wie läuft’s mit dem Fitness?“, reagiere ich gereizt. Innerlich zumindest. Manchmal auch äußerlich. Ich denke dann: Also ehrlich gesagt geht dich das gar nichts an. Und höre mich sagen: „Ja, schwierig gerade.“ Dabei war das ja der Plan. Ich wollte, dass sie fragen. Ich habe es ihnen extra erzählt, um diesen Druck zu spüren. Und jetzt, wo er da ist, finde ich ihn unangenehm. Fast unverschämt.

Vielleicht liegt das Problem nicht im Trick. Vielleicht liegt es daran, dass ich im Planen einfach besser bin als im Durchziehen. Sonntags bin ich nämlich unschlagbar. Montags auch noch ganz ordentlich. Und ab Mittwoch frage ich mich nur noch: Warum sind eigentlich immer alle so neugierig?

Artikel 1 von 11