Vier Tore? Nicht mit mir!

von Redaktion

Freiburgs Keeper Atubolu über Bayerns Torrekord, WM-Träume und Neuers Skills

Freiburgs Torwart Noah Atubolu will den Münchner Torrekord verhindern. © Huebner/Imago

München – Real Madrid? Noah Atubolu muss lachen. „Nein, nein“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung: „In uns steckt ganz viel SC Freiburg.“ Wenn der FC Bayern am Ostersamstag (15.30 Uhr) im Breisgau antritt, „sind wir nicht bei Celta Vigo, nicht in Madrid, sondern hier daheim bei uns im Europa-Park Stadion, wo wir auf unsere Fans und unsere Heimstärke vertrauen“. Von einer Generalprobe für die danach anstehenden Viertelfinals in der Champions (Bayern) und Europa League (Freiburg) will der aktuell wertvollste deutsche Keeper nichts wissen. Dafür ist er sich sicher: „Auch die Bayern werden sagen, dass es ekelhaft ist, hier zu spielen.“

Atubolu spricht aus Erfahrung, denn seine bisherigen beiden Heimpartien gegen Bayern endeten 2:2 und 1:2. Eine klare Sache war das in Freiburg nie, dafür hat man aber das Ergebnis aus dem Hinspiel noch im Kopf. 6:2 hieß es Ende November in der Allianz Arena, obwohl der SC mit zwei Toren in Führung gegangen war. „Brutal“ sei das gewesen, sagt Atubolu: „Diese individuelle Qualität, mit der sie zurückkamen, war beeindruckend.“ Aber er kündigt auch an, was die Bayern an diesem sonnigen Samstag in Freiburg zu spüren bekommen sollen: „Wir haben uns weiterentwickelt, sind eine andere Mannschaft als vor einem halben Jahr. Wir freuen uns, dieses Spiel bestreiten zu dürfen – und zwar zuhause!“ Also dort, wo sich in der laufenden Saison schon Stuttgart (3:1), Dortmund (1:1) und Leverkusen (3:3) schwergetan haben – und der Tabellenachte 25 seiner bisher 37 Punkte geholt hat.

Diese Statistik ist genauso aussagekräftig wie jene über die Comeback-Qualitäten der Freiburger. So hat das Team von Julian Schuster schon neunmal in der laufenden Spielzeit nach einem Rückstand gepunktet. „Unser Coach legt Wert darauf, dass wir ein Team sind, dass wir füreinander da sind, niemand den Kopf hängen lässt.“, sagt Nationalspieler Atubolu. Diese „positive Energie zeigt sich besonders nach kleinen Rückschlägen. Wir geben nie auf – und sind immer für ein Tor gut“. Weil aber die Aufgabe des Freiburger Urgesteins nicht vorne, sondern hinten liegt, kündigt er mit Blick auf den 101-Treffer-Rekord der Bayern – zu dem nur noch vier fehlen – auch schmunzelnd an: „Ich bin dafür da, keine Tore reinzulassen. Und vier gleich dreimal nicht!“

Man merkt Atubolu das gesunde Selbstvertrauen an, das er sich mit gerade mal 23 Jahren als Stammkeeper angeeignet hat. Sogar die Nichtnominierung von Julian Nagelsmann in der vergangenen Abstellperiode ordnet er beeindruckend reflektiert ein. Schon vor dem Sieg im Europa-League-Achtelfinale gegen Genk wusste er Bescheid, „aber ich habe einfach so weitergemacht, wie ich es die ganze Saison mache“. Sein Naturell ist es, „Vollgas“ zu geben: „Alles andere kommt – oder nicht.“ Das sagt er mit Blick auf die großen Möglichkeiten, die der SC in drei Wettbewerben noch hat – und mit Blick auf die WM. Aktuell scheint Bayerns Jonas Urbig die Nase als dritter WM-Keeper vorn zu haben. Man kennt sich von der U 21: „Ein guter Torwart und bodenständiger Typ.“

Am Samstag aber wird wohl Manuel Neuer im Bayern-Tor stehen, natürlich Atubolus Vorbild. Seit Kindesbeinen im Freiburger Stadtteil Weingarten eifert er dem nun 40-Jährigen nach, obwohl er weiß: „Er hat gewisse Skills, die man nicht lernen kann.“ Womöglich ist es das letzte Duell mit dem „größten und besten Torwart, den wir je gesehen haben“. Womöglich aber auch nicht. Denn am 23. Mai wäre – selbst wenn Neuer keine Saison mehr dran hängt – noch so eine großartige Gelegenheit. Vielleicht ist das Spiel am Samstag ja doch eine Generalprobe: für ein mögliches Pokalfinale gegen Bayern in Berlin.

HANNA RAIF

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