ZUM TAGE

Freiburg-Party als ultimativer Beweis

von Redaktion

Bayern vor Real-Kracher

Die Musik aus dem Kabinentrakt des FC Bayern im Freiburger Stadion war zwar laut, aber die Stimme aus der SC-Kabine war noch ein bisschen lauter. „Mach die Tür zu da drüben“, schallte es von der Seite der bitter enttäuschten Gastgeber auf die des Rekordmeisters – und was gemeint war, war klar: Die unbändige Freude der Last-Minute-Bayern nach diesem 3:2 nach 0:2 war für den Verlierer nicht zu ertragen. Vincent Kompany und seinem Team war das freilich egal. Sie machten die Tür halt zu – und feierten dahinter ihre eigene Party weiter, wie sie wollten.

Schon in der Kurve war es heiß hergegangen, Joshua Kimmich war mit nacktem Oberkörper in die Kabine gelaufen, überall wurde abgeklatscht, geschrien, gejubelt. Und auch wenn die Abreise nach Madrid in diesen Momenten am Oster-Samstag noch 48 Stunden hin war: Die Energie, die diese nicht tadellose, aber am Ende perfekte Generalprobe den Bayern mitgegeben hat, lässt sie auf einer Welle nach Spanien surfen, die größer nicht sein könnte. Die 70 Minuten, in denen die zweite Liga-Pleite der Saison verdient gewesen wäre, waren nach dem Sieg in letzter Sekunde vergessen – und noch viel mehr: Es hat genau so ein Spiel gebraucht, damit Joshua Kimmich aussprechen konnte, was er aussprach. Die Bayern sind vielleicht nicht perfekt. Aber sie sind „komplett“.

Was der Vize-Kapitän damit meint, ist das größte Pfund in Vorbereitung auf den Kracher am Dienstag. Denn die Reise nach Freiburg war der ultimative Beweis für die Qualität, die sich das Team in den vergangenen eineinhalb Jahren unter Kompany angeeignet hat. Man kann an Sahnetagen Weltklasse spielen; man kann treffen, bis der Arzt kommt. Man kann aber inzwischen auch leiden, als Team zurückschlagen. Man hat eine A-Elf, die zur Not von einer starken Bank ergänzt wird. Und vor allem: Man verliert nie den Glauben an sich selbst. Nicht mal in der neunten Minute der Nachspielzeit. Im Bernabéu, wo die Bayern zuletzt 2001 (!) gewinnen konnten, ist das die Qualität, die am meisten zählt.

Vielleicht war es übertrieben, als Siegtorschütze Lennart Karl das Gefühl der „Unbesiegbarkeit“ zu Protokoll gab, vielleicht auch die „110 Prozent Selbstvertrauen“ von Josip Stanisic. Aber der Unterschied zu vielen vorherigen Anläufen in Madrid ist, dass man den Kompany-Bayern diese Aussagen abkauft. Dieses Team wirkt, als sei es bereit für eine richtig große Party. Eine, die durch jede Tür dringt.

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