Hatte dem EHC noch was zu sagen: Daniel Pietta. © IMAGO
Am Gegner vorbeigerauscht: Taro Hirose, einer der Münchner Torschützen im sechsten Spiel. © Red Bull/City-Press
Der gute Brauch zum Abschluss einer Playoff-Serie: Handschlag – hier zwischen Veit Oswald (ERC) und Luca Hauf (ERCI), © Red Bull/City-Press
Ingolstadt – Nachdem die Entscheidung gefallen war im DEL-Viertelfinal traten alle zum Handshake an. Die Sieger (München mit 7:3 und in der Serie 4:2) und die unterlegenen Ingolstädter. „Es hat sich so angefühlt, dass die Sache erledigt ist – und so soll es auch sein“, resümierte Tobias Rieder, der beste Mann des EHC Red Bull. In der Schlange kam es sogar zu Herzlichkeiten zwischen Münchens Co-Trainer Max Kaltenhauser und ERCI-Stürmer Abbott Girduckis, die vor zwei Jahren mit Regensburg DEL2-Meister geworden waren, an einigen Stellen aber stockte es: Der Austausch zwischen Daniel Pietta und Münchens Trainer Oliver David und Sportchef Christian Winkler ging über den hingemurmelten Glückwunsch und das Danke hinaus.
Pietta, 39, und in Ingolstadt so etwas wie die Leitfigur, hatte angekündigt, dass er „nach der Serie vielleicht was sagen“ würde – und das tat er. Wobei er vorausschickte: Die schlagzeilenträchtigen Umstände der Serie „sind nicht der Grund, dass wir verloren haben. Wir haben zu viele Gegentore kassiert“. Doch ebenso sei Tatsache, dass die Münchner es in Spiel vier überzogen hätten, nachdem sie schnell mit 0:4 in Rückstand geraten waren. „Ein Zeichen setzen – okay. Aber die Ellbogen noch extra zum Kopf drücken – nein.“
Er findet, „Trainer, Management und Führungsspieler“ hätten Einhalt gebieten müssen – „und auch das Interview des Trainers war ein Fehler. Fünf Minuten, nachdem ein Spieler, der sich auf dem Eis nicht mehr bewegt hat, abtransportiert wurde, sagt man nicht, dass das Teil des Spiels ist, sondern erst mal: Gute Besserung.“
Edwin Tropmann, den der Münchner Fabio Wagner am Dienstag kurz vor Schluss so übel getroffen hatte, weilte am Samstag bei Spiel sechs in der Saturn Arena. Am Mittwoch hatte er, so Krankenhausbesucher Daniel Pietta, „noch an irgendwelchen Geräten gehangen“. Jetzt sieht Tropmann (20) bis auf ein paar Schrammen im Gesicht gut aus, „aber zwei, drei Monate darf ich gar nichts machen, nicht mal Autofahren“, sagt er. Auch medikamentös wird er behandelt; der Einschlag hat Folgen hinterlassen.
Was Daniel Pietta auch noch wichtig ist: was zu Fabio Wagner zu sagen, mit dem er von 2020 bis vor einem Jahr in Ingolstadt spielte. „Es ist totaler Quatsch, ihn auf diese eine Situation zu beschränken. Im Eishockey entscheidet oft ein Sekundenbruchteil, wo man jemanden trifft oder nicht. Ich glaube nicht, dass er es so gewollt hat.“ Vor allem: „Fabio hat sofort den Kontakt zu Eddie aufgenommen, proaktiv – und Eddie war sehr glücklich, dass Fabio sich gemeldet hat. Ich kann es nicht oft genug betonen: Fabio ist ein feiner Mensch.“
„Als Wagner Tropmann traf, das war der schwierigste Moment der Serie“, resümiert Oliver David, „und die größte Herausforderung war es, damit umzugehen. Und es beschäftigt uns noch immer.“ Am Samstag wurde der Mannschaftsbus vorsorglich am anderen Ende der Ingolstädter Arena geparkt, die Münchner kamen auch nicht mit ihrem Red-Bull-bepinselten Materialwagen, sondern hatten einen neutralen Transporter gemietet. Doch auf dem Eis gaben sie für ERCI-Wut keinen Anlass. Sie spielten konzentriert, gut (wieder mit Ryan Murphy im Lineup, jedoch ohne den zwei Tage zuvor angeknockten Patrick Hager), verloren eine Führung (von Hiroses 1:0 auf 1:2), holten sie aber zurück (Daubner, Krening, DeSousa. Rieder, dazu Empty-Net-Goals von Smits und DeSousa).
Im Halbfinale (ab Mittwoch, Beginn auswärts) warten die Adler Mannheim. Auf das Derby mit Ingolstadt folgt das Treffen mit einem Erzrivalen, da uferte in der Vergangenheit das eine oder andere Spiel auch aus.
Daniel Pietta wird es aus der Distanz verfolgen. Aber es können sich alle an seinen Worten orientieren: „Am Ende ist es ein Spiel, das jeder betreibt, weil er es liebt. Es gibt eine schmale Linie, man sollte sie nicht überschreiten.“GÜNTER KLEIN