Im Würgegriff: Erst kurz vor Schluss konnte sich 1860 (hier: Reinthaler) gegen Mannheim befreien. © IMAGO / U. Wagner
Erfrischendes Startelfdebüt: Der eifrige Samuel Althaus war schwer zu bremsen. © IMAGO /Eibner
Aus abgewendet: Sigurd Haugen überstand diesen Crash unverletzt – und rettete 1860 ein spätes 1:1. © IMAGO / Eibner
München – Mannheim-Remis, Regeneration am Ostersonntag – und am Abend noch ein Studiobesuch beim BR. Es war ein eng getaktetes Programm für Markus Kauczinski, ehe es Montagmittag mit dem Flieger Richtung Cottbus ging. Viel Zeit zum Nachdenken blieb da nicht. Wozu auch? Tabellarisch herrscht sieben Spieltage vor Schluss Klarheit. Nach nur zwei Punkten aus drei Spielen wissen die Löwen, was am Dienstagabend im Stadion der Freundschaft gefordert ist: Nur ein Sieg hilft weiter. Selbst ein weiteres Unentschieden wäre zu wenig, um den Aufstiegstraum am Leben zu halten.
Im BR brachte Kauczinski die Lage auf den Punkt. „Es ist vielleicht nur noch ein Außenseiter-Ding“, sagte er realistisch – um kämpferisch-trotzig hinzuzufügen: „Aber wieso sollen wir nicht wieder eine Serie starten? Wir werden darum kämpfen und alles dafür geben.“
So wie gegen Mannheim, als Haugen in der wilden Schlussphase (85., Vorarbeit Volland) zumindest ein 1:1 rettete. 1860 hatte alles investiert, um die Partie nach dem frühen Rückstand durch Bierschenk (27.) noch zu drehen. Anders als zuletzt erspielten sich die Löwen Torchancen im Überfluss. Doch unübersehbar war auch, was 1860 im Frühjahr 2026 fehlt: die Konsequenz einer Spitzenmannschaft. Tabellenführer Osnabrück schüttelt Siege und Tore locker aus dem Ärmel (4:0 gegen Schweinfurt), Essen bleibt selbst in Topspielen stabil (1:0 gegen Duisburg) – bei 1860 reicht es gerade nur für Teilerfolge. Was bleibt, ist die Moral. Kauczinskis Kommentar nach dem 1:1. „Dieser Punkt ist – wie man so sagt – zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel, aber wir sind noch nicht gestorben. Wir leben noch!“
Genau auf diesem schmalen Grat bewegt sich nun alles vor dem Showdown in Cottbus (Dienstag, 19 Uhr). „Ich bin kein Mann der Mathematik“, sagt Kauczinski – und bringt es trotzdem auf den Punkt: „Es ist wieder eine Chance, ranzukommen.“ Vielleicht die letzte.
Der Gegner steht aktuell dort, wo die Löwen noch hinwollen: auf dem Relegationsplatz. Sieben Punkte trennen beide Teams – mit einem Sieg könnte 1860 den Rückstand zumindest auf vier verkürzen. Weil einige Konkurrenten an Ostern sogar verloren (Rostock, Verl), lebt diese kleine Hoffnung noch. Entsprechend erwartet der Trainer „ein hitziges Spiel“ – und setzt darauf, dass sein Team die richtige Balance findet. „Heißes Herz, ja – aber ein kühler Kopf muss auch dabei sein“, mahnt Kauczinski. Wer blind anrennt, wird bestraft.
Personell hofft der Trainer auf Entspannung. Zwei angeschlagene Kämpfer aus dem Mannheim-Spiel – Schifferl (Ellbogen) und Haugen (Wade) – dürften rechtzeitig fit werden, dazu kehrt Kapitän Jacobsen zurück (Gelbsperre abgesessen). Auch Änderungen in der Startelf sind möglich. Das Anrennen gegen Mannheim hat Körner gekostet, Joker Justin Steinkötter, Wegbereiter des Ausgleichs, drängt sich auf. „Ich habe alle drei Stunden eine andere Idee“, gibt Kauczinski lächelnd zu.
Viel Zeit zum Grübeln bleibt allerdings nicht mehr. Alles verdichtet sich auf diese 90 Minuten im Stadion der Freundschaft. Dort entscheidet sich, ob die Löwen weiter träumen dürfen – oder endgültig raus sind. Kauczinski formuliert es nüchtern: „Mit jedem Spiel, das wir nicht gewinnen, sinkt die Wahrscheinlichkeit.“ Am Dienstag würde sie ohne Dreier gegen null gehen.ULI KELLNER