Zuckerbrot statt Peitsche

von Redaktion

Reals zwei Gesichter: Wie Coach Arbeloa seine Stars zum Laufen bringen will

Camavinga (re.) im Duell mit Citys Rodri. © Huesca/EPA

Weißes Herz: Real-Coach Alvaro Arbeloa. © Guillen/EPA

Madrid – Schon nach wenigen Spielen im Amt verblüffte Álvaro Arbeloa mit einem Ausflug in die Fantasywelt. „Ich bin nicht Gandalf der Weiße“, proklamierte Real Madrids neuer Trainer im Februar. Dabei kann niemand bezweifeln, dass es weißer kaum geht als im Herzen des 43-jährigen Ex-Verteidigers, einem lebenslangen Verehrer seines Klubs. Aber hexen wie der Zauberer aus dem Herrn der Ringe, das kann halt auch der Nachfolger des entlassenen Xabi Alonso nicht.

Vor dem Klassiker gegen Bayern München hat auch Arbeloa weiter mit den Launen und Schieflagen im königlichen Kader zu kämpfen. Mal sprühen die Stars um Kylian Mbappé, Vinícius Júnior oder Jude Bellingham vor Einsatzfreude; mal lassen sie sich gehen. Mal setzen sie zeitgenössische Pressing-Konzepte um und halten die richtigen Abstände; mal scheinen sie sich als elf Inseln über den Platz zu versprengen. Mal lässt sich das Fehlen eines Spielgestalters im Mittelfeld durch dynamische Konter kompensieren; mal enthüllt Real ein fußballerisches Nichts.

Die Bilanz ist entsprechend wechselhaft. Aus dem Pokal schied Arbeloas Combo bei Zweitligist Albacete aus, in der Liga wurden aus vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Barcelona unter ihm sieben Punkte; am Samstag gab es eine Niederlage bei Abstiegskandidat Mallorca. In der Champions League aber überzeugte Madrid zuletzt durch ein klares Weiterkommen gegen Manchester City. Und sie ist schließlich der Wettbewerb, in dem ein Real-Trainer den magischen Stab zu schwingen hat.

Wenn es zunächst im Madrider Bernabéu zum 29. Match beider Klubs kommt – keine Europapokalbegegnung gab es öfters –, ist die Frage, wie entscheidend Balance, Form und Spielkultur sein werden: in dieser Hinsicht sind die Bayern klarer Favorit, auch Arbeloa lobte am Ostermontag ihre „außergewöhnliche Saison auf allen Ebenen“. Und welche Rolle die Emotionen spielen werden, die Psychologie, der Mythos: da weiß man im Bernabéu nie, da gilt die eherne Gewissheit, dass sich Real nie als Außenseiter fühlt. Gegen Bayern setzte man sich bei den letzten vier Begegnungen immer durch. „Wir denken an nichts anderes als ans Weiterkommen“, so der Übungsleiter.

Sein Vorgänger Alonso versuchte insbesondere den Brasilianer Vinícius zu bändigen und verlor ihn darüber. „Ich konnte zu Xabi keine Verbindung aufbauen“, bestätigte Vinícius am Montag. Mit Arbeloa hingegen sei das Verhältnis „wunderbar“. Der schnelle „Vini“ war zuletzt wieder Reals gefährlichster Angreifer, unter Arbeloa gelangen ihm elf Tore, unter Alonso hatte er 16 Spiele am Stück nicht getroffen.

Auch Federico Valverde, Madrids wichtigster Mittelfeldmann, war unter Alonso unzufrieden und ist nun wieder die omnipräsente Allzweckwaffe der Europapokal-Triumphe von 2022 und 2024. Im Verbund erledigte das Duo auch Manchester; dass die damals verletzten Mbappé und Bellingham nun wieder zur Verfügung stehen, gefällt nicht allen Beobachtern, denn Real war diese Saison stärker, wenn sich die Galáctico-Quote in Grenzen hielt. Doch Arbeloa wiegelte am Montag jede Starkritik ab.

Mittelfeldmann Eduardo Camavinga verriet kürzlich, dass Arbeloa die Spieler nach dem Training bisweilen mit Donuts, Oreo oder Spekulatius beschenke. Camavinga gefällt‘s: „Wenn du glücklich bist, machen deine Füße, was sie wollen.“FLORIAN HAUPT

Artikel 1 von 11