Nathan Aspinall schlug auf dem Weg zum Titel Martin Schindler und Ricardo Pietreczko. © Doppstadt/PDC Europe
München – Nathan Aspinall (34) hatte eigentlich gar keine Lust auf Darts an diesem Osterwochenende. „Ich hätte Ostern lieber mit den Kindern verbringen sollen“, schrieb der Engländer genervt nach seiner Landung am Flughafen in München, weil sein Gepäck nicht angekommen war. Drei Tage später war Aspinalls Welt wieder mehr als in Ordnung.
Als Sieger strahlte er von der Bühne und bedankte sich beim ausverkauften Zenith: „München, du hast mir die Liebe zum Dartsport zurückgegeben!“ 20.000 überaus faire Zuschauer feierten am Wochenende eine große Darts-Party, die Veranstalter von der PDC Europe sprachen von der höchsten Auslastung, seitdem der German Darts Grand Prix 2018 nach München gezogen ist. Ob es nicht Zeit ist, größere Hallen zu füllen? „Nein, das Zenith ist bei den Fans mittlerweile Kult“, sagte PDC-Europe-Geschäftsführer Werner von Moltke unserer Zeitung. Außerdem seien der SAP Garden oder die Olympiahalle zu teuer für das Event. Und im BMW Park ließe sich die „Festzelt-Stimmung“ nicht so transportieren, wie im altehrwürdigen Zenith-Bau.
Publikumsliebling Aspinall kämpfte sich ins Turnier – und bezwang erst Deutschlands Nummer zwei, Ricardo Pietreczko, knapp mit 6:5. Am Montagnachmittag beendete er mit seinem 6:2-Sieg über Martin Schindler alle Hoffnungen auf einen deutschen Heimsieg. Zuvor scheiterte auch Niko Springer, der in Runde zwei den Vorjahressieger Michael van Gerwen aus dem Turnier warf. Am Abend steigerte sich Aspinall von Spiel zu Spiel – und legte beim 8:5 gegen Danny Noppert (Niederlande), der zum vierten Mal ein European-Tour-Finale verlor, seinen besten Auftritt hin.
Vorjahresfinalist und amtierender Vizeweltmeister Gian van Veen (23) hätte seinen Erfolg gerne wiederholt. Er ging in Abwesenheit von Luke Littler und Luke Humphries als einer der Favoriten in das Turnier – und hatte am Samstagmorgen beim Masskrugstemmen, Bierfitzl-Flippen oder Nageln in Tracht bei Angermaier noch beste Laune. Aber wie auch für Landsmann van Gerwen war schon in Runde zwei Schluss.
Doch die beiden haben ein gemeinsames Ziel: Im Juni wollen sie für die Niederlande den World Cup of Darts gewinnen – dem einzigen PDC-Turnier, das im Doppelformat ausgetragen wird. „Er hat mir gesagt, dass er spielen will. Also Stand jetzt werden wir zusammen spielen“, bestätigte der Weltranglisten-Dritte unserer Zeitung.ALEXANDER VORMSTEIN