Gute Laune vor dem 100. Spiel: Kompany. © Kneffel/dpa
München – Nervosität? Nein, nein. Die Frage wird Vincent Kompany vor jedem vermeintlich größten Spiel der Saison gestellt. Aber der Mann lügt halt nicht mal, wenn er sagt, er bereite einen Kracher gegen Real Madrid genauso vor wie einen Nicht-Kracher gegen den SC Freiburg. Es mag vielleicht sein, dass diese Partie in Madrid (Abpfiff nach Drucklegung dieser Ausgabe) „die größte Herausforderung im Weltfußball“ sei. Aber Kompany geht sie trotzdem an, wie jedes der 99 Spiele als Trainer des FC Bayern zuvor. Fokussiert, unaufgeregt, selbstbewusst.
75 Siege sind dem 39-Jährigen seit seinem Amtsantritt 2025 gelungen. Aber auch wenn sein Punkteschnitt (2,4) damit beeindruckend ist – von den Langzeittrainern haben nur Hansi Flick (2,53) Jupp Heynckes (2,49) und Pep Guardiola (2,41) mehr –, geht es Kompany um anderes als Zahlen. Wie er tickt, ist vor allem im Umgang mit Niederlagen zu sehen. Mit Blick auf das im Vorjahr verlorene Viertelfinale gegen Inter Mailand sagte er am Montag: „Man muss nach vorne schauen. Deshalb sind wir heute hier. Weiterzumachen ist das Wichtigste.“
Das hört sich vielleicht plump an, wird aber von Kompany im Alltag gelebt. Und so ist auch jedem im Verein – und vor allem in der Chefetage bewusst –, wie groß sein Anteil an der „sehr guten Ausgangslage“ vor dem Duell der Giganten war. Ein böses Wort über den Trainer hat man bisher weder aus der Kabine noch sonstwoher vernehmen können, im Gegenteil. Kompany kommt zu 100 Prozent an, weil er authentisch ist. Anders als manch anderer seiner Vorgänger muss er sich keinen Respekt erarbeiten. Das Zauberwort lautet natürliche Autorität.
Dass man dafür nicht unnahbar sein muss, zeigte übrigens eine Szene am Samstag. Direkt zum Bus nämlich wollte Kompany nach der gelungenen Generalprobe in Freiburg nicht. „Ich will noch mal kurz rein“, sagte der Belgier nach seinem Interview-Marathon. Dann ging die Kabinentür auf. Party mit dem Coach. War ja auch „ein großer Sieg“.HLR, PK, VT