Ein Duell mit Vorgeschichte(n)

von Redaktion

Playoffs zwischen München und Mannheim: Die Trainer stehen unter Beobachtung

„Vertraut dem Prozess“: Dallas Eakins amtiert bei den Adlern Mannheim im dritten Jahr – in Doppelfunktion. © Goldberg/Imago

„Ich muss auf meine Worte achten“: Münchens Coach Oliver David befindet sich im Lernprozess. © Red Bull/City-Press

Das bis dato letzte Aufeinandertreffen: Mannheim (mit Zach Solow) gewann in München (mit Ryan Murphy und Torhüter Antoine Bibeau) 4:2. © Red Bull/City-Press

München – Der EHC Red Bull München hat eine heftige Viertelfinal-Serie gegen den ERC Ingolstadt (4:2 gewonnen) hinter, aber die nächste mächtige Herausforderung vor sich. Wenn er auf die Adler Mannheim trifft, wie das ab diesem Mittwoch (19.30 Uhr) geschehen wird, muss er sich darauf gefasst machen, spielerisch und nervlich aufs Äußerste gefordert zu werden. „Letztes Jahr auswärts in Mannheim hat es auch so emotionale Szenen gegeben“, erinnert sich Münchens Stürmer Maxi Kastner ans Viertelfinale 2025 (in dem der EHC mit 2:4 ausschied). Und Tobias Rieder, der gerade einen großartigen Lauf hat (neun Scorerpunkte in sechs Playoff-Spielen) und Tumulten lieber aus dem Weg geht, kann für nichts garantieren. „Es wird nicht das letzte Mal in der Eishockey-Geschichte gewesen sein, dass ein Spiel so läuft“, sagt er mit Blick auf Partie Nummer vier gegen Ingolstadt, die „ausgeartet“ (Rieder) und weit über die Eishockey-Szene hinaus wahrgenommen worden war.

Nun, was steht zu erwarten für das Duell zwischen dem Hauptrunden-Zweiten Adler Mannheim und dem Viertplatzierten München?

Die Vorgeschichte: Heftig war der Aufeinanderprall im Halbfinale 2018. Der Münchner Steve Pinizzotto wurde nach einem brutalen Bandencheck gegen Matthias Plachta von der DEL für fünf Spiele gesperrt, Plachta seinerseits wurde nach seiner Rückkehr mit einem Foul selbst straffällig. Ein Jahr später gab es die Neuauflage im Finale – diesmal in versöhnlicher Atmosphäre. Der abtretende EHC-Kapitän Michael Wolf war gerührt, dass die Adler vor ihrer eigenen Meisterzeremonie noch eine Ehrung für ihn einbauten. 2025 bestritten Mannheim und München das Viertelfinale. Das Team aus der SAP Arena (Mannheim) bescherte der im SAP Garden beheimateten Mannschaft (München) ein schmerzhaft frühes Saisonende.

Diese Saison: Nach Ergebnissen liegen die Adler vorne. Sie gewannen beide Heimspiele 4:3 nach Penaltyschießen, in München erlebten sie eine 0:4-Niederlage, zuletzt aber einen 4:2-Sieg. „Zwischen den beiden Mannschaften gibt es kaum einen Unterschied“, sagte Mannheims Trainer Dallas Eakins. Taktische Überraschungen sind ausgeschlossen, man hat sich über die Jahre kennengelernt. Da beide Organisationen wirtschaftlich gut aufgestellt sind, gibt es kaum eine personelle Fluktuation.

Die Mannschaften: Mannheims Kader ist mit sechs Olympia-Fahrern (München drei, von denen zwei, der verletzte Mathias Niederberger und der gesperrte Fabio Wagner, nicht verfügbar sind) tiefer besetzt. Bei den Adlern haben sich die Sturmformationen im Saisonverlauf kaum verändert, die Reihe mit Alex Ehl, Marc Michaelis und dem Ex-Münchner Justin Schütz ist perfekt eingespielt. Wichtig für Mannheim ist das Mitwirken von Tom Kühnhackl. Der Defensivstürmer wird von Verletzungen verfolgt, doch wenn er spielt, tut das dem Team gut: In der Hauptrunde gingen nur vier der 19 Spiele mit seiner Beteiligung verloren, in den Playoffs eines von fünf. Der Personalstand bei München: Ryan Murphy nach Gehirnerschütterung zurück, Patrick Hager (am Donnerstag mit dem Kopf aufs Eis geknallt) wieder im Training, die Sperre von Jeremy McKenna abgelaufen. Gute Auswahl für Coach Oliver David. Allerdings: In den Playoffs hatte er nur eine Sturmformation (Rieder, Brooks, Hirose), die sich einspielen konnte; in den anderen Reihen musste ständig improvisiert werden.

Die Trainer: Beide wurden von der DEL in den Playoffs mit Geldstrafen belegt. Das Delikt war identisch: „Mangelnde Einwirkung auf die Disziplin ihrer jeweiligen Mannschaft.“ Mannheims Dallas Eakins erhielt noch eine zweite Sanktion, weil er nach einem Spiel in Bremerhaven die Pressekonferenz boykottiert hatte.

Der abgebrühte Ex-NHL-Coach Eakins, der in Doppelfunktion Manager/Trainer amtiert und als bestverdienender Mann in der DEL gilt (Jahresverdienst 600000 Euro), kann sich auf den Rückhalt von Big Boss Daniel Hopp verlassen. Der glaubt an Eakins‘ seit fast drei Jahren propagierte Losung „Trust the process“ und freut sich, dass der Trainer die Adler als „Goldstandard für Sportclubs in Europa“ gelobt hat.

Der Münchner Oliver David befindet sich noch im ersten DEL-Jahr – und im Lernprozess: Nach der Kritik für ein gut gemeintes spontanes TV-Interview zum eskalierten Viertelfinalspiel gegen Ingolstadt meint er: „Ich muss sorgfältiger auf meine Worte achten und nicht einfach irgendwas sagen.“GÜNTER KLEIN

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