KOMMENTAR

Ein Gerumpel wie in „Schlappschuss“

von Redaktion

18.600, 14.141, 13.229 und 10.796 – das sind die Zahlen zum Fassungsvermögen der vier Arenen, in denen die Halbfinalserien der DEL stattfinden werden. Köln, Berlin, Mannheim und München verfügen über die größten Hallen, sportlich sind die Teilnehmer so nahe beieinander, dass keine Serien im Schnelldurchlauf zu erwarten sind und somit einiges an Spielterminen zusammenkommt. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke wird die möglichen Rekordzuschauerzahlen schon ausgerechnet haben. Nach einer gut besuchten Hauptrunde laufen auch die Playoffs wirtschaftlich wunschgemäß.

Doch tun sie es auch sportlich? Allgemein wird dem Eishockey der Lobpreis gesungen, sich fantastisch entwickelt zu haben: das Spiel immer schneller, die Akteure trickreicher. Auch die DEL zeigt an manchen Tagen verdammt guten Sport – doch die Playoffs 2026 sind bislang ein übles 70er- bis 90er-Jahre-Gerumpel, das nur denjenigen Fans gefallen kann, die den Prügelfilm „Schlappschuss“ für originell halten (was er nicht ist – sondern ausgesprochen dumm).

Letztlich schuld sind immer die Beteiligten, die sich nicht im Griff haben; Spieler und Trainer tragen die Hauptverantwortung. Doch die Liga kann sich nicht freisprechen von Mitschuld an den Entwicklungen der letzten Zeit. Die Checks „gegen Kopf und Nackenbereich“ haben zugenommen, die Gehirnerschütterung ist in Deutschland die häufigste Verletzung bei Eishockeyspielern. Doch für diese Rücksichtslosigkeiten gegenüber Berufskollegen auch harte Strafen auszusprechen, davor hat die DEL bis zur Eskalation in Ingolstadt vorige Woche zurückgescheut und selbst Wiederholungstäter mit Kurzsperren davonkommen lassen. Dass bei dem bis dahin unbescholtenen Münchner Fabio Wagner das Strafmaß auf 14 Spiele hochschnellte, ist ein Bruch mit der bisherigen Politik – und wohl als Signal an eine entsetzte breite Öffentlichkeit zu verstehen.

Grundsätzlich sind härtere Strafen und längere Sperren zu begrüßen, man sollte sich da nicht irritieren lassen von den Einwänden nordamerikanischer DEL-Trainer und naseweiser „Aber in der NHL gibt‘s dafür gar nichts“-Fans. Spieler in der DEL sollten schon die Gewissheit haben, dass mehr für ihren Schutz vor Verletzungen als vor Sanktionen getan wird. Und die 14 Vereine, die als Gesellschafter der DEL deren Linie ja mitbestimmen, sollten das auch einsehen: Für den Boom muss man was tun – ansonsten bleiben Sitzschalen zukünftig auch mal wieder frei.

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