Dreierpack: Erik Engelhardt besiegte 1860 im Alleingang. © IMAGO / Steffen Beyer
Cottbus – Was wären die Löwen ohne ihre Fans? 570 Kilometer einfach nach Cottbus, ein Dienstagabend – und die Gewissheit, erst im Morgengrauen zurück zu sein. Mehr als 1000 Anhänger machten sich trotzdem auf den Weg ins Stadion der Freundschaft. Gelohnt hat es sich nicht.
Sie sahen eine schläfrige Vorstellung der Elf von Trainer Markus Kauczinski, während Energie Cottbus von Beginn an präsenter, griffiger, gieriger wirkte – und nach einer halben Stunde eiskalt zuschlug. Erik Engelhardt traf doppelt (29., 33.) und schnürte nach der Pause den Dreierpack (66.). 1860 fand nie richtig ins Spiel. Am Ende stand ein 0:3 (0:2) aus Sicht der Gäste, das vierte sieglose Spiel in Folge – und das wohl endgültige Aus im Aufstiegsrennen.
Schon zur Pause hatte Manfred Paula deutliche Worte gefunden. „In Cottbus einen Sieg einzufahren, da muss man einen anderen Auftritt hinlegen“, sagte der Geschäftsführer bei MagentaSport – und legte den Finger tief in die Wunde. „Cottbus war vom Anpfiff weg zwingender, sie haben mehrheitlich die Zweikämpfe gewonnen, sich die zweiten Bälle geholt. Und dann entsteht ein Druck, dem man irgendwann nicht mehr standhalten kann.“
Besonders das Defensivverhalten vor den Gegentoren missfiel Paula. „Die beiden Hereingaben, die bei Engelhardt ankommen – da muss man ihn nicht zweimal bitten, dass er sie reinmacht.“ Und weiter: „Er weiß, wo er stehen muss, weiß, wie er ihn reinmachen muss – das fehlt uns momentan.“
Kauczinski schloss sich dem strengen Urteil an und reagierte doppelt zur Pause: Für Schifferl kam Faßmann, für Maier Althaus. Der Boss strafte mit Worten ab, der Trainer mit Auswechseltafeln.
Warum 1860 derart fahrig auftrat, konnte Paula nicht erklären: „Schwer zu sagen, woran es liegt.“ Der „Reset-Knopf“, auf den er gehofft hatte, wurde jedenfalls nicht gedrückt. Cottbus blieb das gefährlichere Team. Faßmann klärte auf der Linie für Dähne, Cigerci versuchte es per Chip. Kurz darauf patzte auch der Keeper – und Engelhardt bedankte sich mit seinem dritten Treffer. Beste 1860-Chance? Ein Pfostentreffer von Niederlechner (77.).
Ein bitterer Abend für die Löwen – auch, weil der Glaube an die Wende nie wirklich spürbar wurde. Paula hatte die Lage bereits zur Pause nüchtern eingeordnet: Zehn Punkte Rückstand auf Rang drei seien „eine Hausnummer, bei der man realistischerweise vielleicht anderweitig planen muss“. Durchhalteparolen? Nicht sein Ding: „Da bin ich kein Freund davon.“
Weiter geht’s am Sonntag in Giesing. Gegner ist der alte Rivale Jahn Regensburg (19.30 Uhr). Es ist das erste von sechs Spielen um die Goldene Ananas. Die Fans, die das Leiden gewohnt sind, werden wiederkommen.ULI KELLNER