Madrid – Gegentore sind ein ernstes Thema, über das Torwarte kaum lachen können. Nach seiner Gala-Leistung gegen Real Madrid war Manuel Neuer aber derart beseelt, dass er sogar über den Anschlusstreffer zum 1:2 noch einen Witz machte: „War der erste schon drin? Ist ja eine Frechheit“, scherzte der Bayern-Keeper nach Abpfiff bei „Prime Video“ und ergänzte mit einem Augenzwinkern: „Das ist ein Torwartfehler dann.“
Schließlich wusste Neuer, der zum Spieler des Spiels gekürt wurde, ganz genau, dass er seiner Mannschaft zuvor mit einer Weltklasse-Leistung den Sieg ermöglicht hatte. Beim 1:2 durch Kylian Mbappé war er dann nach unzähligen Paraden machtlos – und ärgerte sich doch noch gebührend, so wie es Torwärte eben tun: „Schade, dass es kein 2:0 geworden ist.“ Wenn die Münchner und vor allem Neuer aber auch im Rückspiel an ihr Niveau von Dienstag anknüpfen, muss sich der FC Bayern kaum Sorgen machen. Schließlich glänzte der Torwart mit einer derart starken Leistung, die Kylian Mbappé und Vinicius Junior regelrecht verzweifeln ließ.
Ganz nebenbei befeuerte er damit eine Debatte, die Neuer längst begraben hatte: Einen solchen Torwart könnte die Nationalelf bei der WM im Sommer gut gebrauchen – und es dauerte nicht lange, bis DFB-Comeback-Forderungen lauter wurden: „Dieser Neuer ist Weltklasse und gehört in die Nationalmannschaft“, sagte Lothar Matthäus bei „Sky Austria“. Auch Teamkollege Aleksandar Pavlovic antwortete auf die Frage, ob er den Torwart gerne bei der WM dabei hätte: „Auf jeden Fall. Ich sage nie ‚Nein‘ zu Manu, egal in welchem Alter. Das ist immer noch ein überragender Torhüter.“
Und so wurde Neuer einmal mehr zu seinem Rücktritt befragt, den er selbst vor knapp anderthalb Jahren verkündet hatte – und wollte darauf partout nicht antworten: „Dazu ist alles gesagt“, wiederholte der Keeper mehrfach. „Wichtig ist jetzt die restliche Saison mit Bayern.“
Diese sieht auch dank Neuers Paraden recht gut aus, was ihm zahlreichen Lob seiner Teamkollegen einbrachte: „Überrascht euch das? Wir bedanken uns jedes Spiel bei ihm“, erklärte Jonathan Tah. „Er strahlt etwas Besonderes aus, auch mit den Safes, die er immer wieder macht. Man darf es nicht als selbstverständlich betrachten, aber bei ihm ist es Alltag.“
Deswegen würden die Münchner gerne auch seinen auslaufenden Vertrag verlängern. „Er braucht keine großen Argumente mehr zu liefern. Er soll einfach nur gesund bleiben, mutig bleiben, und dann werden wir uns hinsetzen“, erklärte Max Eberl.V. TSCHIRPKE