Innsbruck – Ein Tor, das doppelt zählt, ein Penaltyschuss mit Jägern, während die Uhr fast ohne Stopp heruntertickt: Eishockey in klein, mit neuen Regeln und Showcharakter erlebt sein Debüt in Europa – und soll Appetit auf ein olympisches Zubrot machen. In Innsbruck startet am Wochenende die 3×3-Tour des Weltverbandes, der mit dem neuen Format zu den Winterspielen 2034 möchte.
„Wir haben die große Möglichkeit, das erste Kleinfeldformat im Wintersport zu sein“, sagt Florian Mayer, der bei der IIHF für die neue Sparte zuständig ist, „und für das IOC könnte es spannend sein, einen zweiten Eishockeysport mit kürzeren Spielen aufzunehmen.“
Wie diese Variante aussieht, ist ab Freitag (13.45 Uhr) in der Olympiaworld im Schatten der Olympiaschanze von 1976 zu besichtigen. Der Auftakt der „Breaking the Ice Tour“ präsentiert Eishockey auf kleinem Feld, im Schnelldurchgang, mit Musikuntermalung und Rahmenprogramm mitten in Innsbruck.
Team Deutschland ist neben fünf anderen Nationen auch dabei, wenn drei gegen drei auf 40 mal 20 Metern gespielt wird, in zwei Halbzeiten zu zwölf Minuten fast ohne Unterbrechungen, ohne Strafzeiten, mit Bullys nur zum Spielbeginn. Trainer der 13-köpfigen Mannschaft ist Ex-Nationaltorwart Dennis Endras (aktuell Torwartcoach beim DEL-Club Augsburger Panther), auf dem Eis stehen unter anderem die DEL-Profis Moritz Wirth (Augsburg) und Noah Dunham (Frankfurt).
Das neue Format, das laut Mayer „ein eigenständiges Produkt“ und „kein kleiner Bruder“ sein soll, unterscheidet sich deutlich vom traditionellen Eishockey. Es gibt kein Abseits, die blauen Linien sind gestrichelt und dienen als „Rückzugslinien“, hinter die sich das angreifende Team etwa nach einem Tor zurückziehen muss. Der Torhüter gibt inzwischen den Puck an einen Mitspieler zum Spielaufbau weiter.
Nach einem Foul gibt es keine Strafzeit, sondern einen Penaltyschuss. Allerdings sind alle Spieler auf dem Eis und können den Schützen jagen. Es gibt den „Free Zone Award“, vergleichbar mit dem Dreier im Basketball: Trifft ein Spieler aus der eigenen Hälfte, gibt es gleich zwei Tore. Oder den „Fair Play Award“, einen Penaltyschuss nach Spielende, wenn ein Team ohne Fouls geblieben ist.
„Die Regeln sollen das Ganze flüssiger und unterhaltsamer machen“, erklärt Mayer, der das Regelwerk verfasst hat: „Mir war wichtig, dass wir anders sind, aber den Sport, den wir lieben, mit den neuen Regeln nicht ins Lächerliche ziehen.“
Nach dem Debüt in Innsbruck sind weitere Turniere – für Männer und für Frauen – geplant, im Gespräch sind Zürich, Helsinki, Turin, Budapest, aber auch Berlin oder die nächstjährigen WM-Städte Düsseldorf und Mannheim. Es ist der erste Probelauf, im nächsten Jahr soll die Serie „auf Südamerika, Nordamerika und Asien“ ausgeweitet werden“, sagt Mayer.
Vorbilder sind Basketball und Volleyball, die sich mit 3×3 und Beachvolleyball ein zweites olympisches Standbein schufen. Es geht aber auch darum, neue Märkte, neue Spieler und neue Fans zu finden. Deshalb ist auch geplant, auf synthetischem Eis zu spielen. Denn im Sommer soll durchgespielt werden. Und dort, wo es nie kalt ist.SID