Teamchef von Österreichs Fußballnationalspielerinnen: Alexander Schriebl
Ex-Nationaltrainerin Irene Fuhrmann
Wien – Keine Punkte, keine Tore und wenig Aussicht auf Besserung. Vor den beiden ungleich anmutenden Duellen in der WM-Qualifikation mit Deutschland ist die Lage von Österreichs Fußballerinnen düster. Teamchef Alexander Schriebl steht nach den beiden 0:1-Niederlagen gegen Norwegen und Slowenien in der Kritik, Leistungsträgerinnen wie Sarah Zadrazil vom FC Bayern fehlen weiter verletzt. Doch die Gründe für den Abschwung in der Alpenrepublik liegen tiefer.
„Die Leistung gegen Slowenien bringt einen zum Nachdenken und zeigt, dass momentan nicht alles rund läuft“, sagt Ex-Nationaltrainerin Irene Fuhrmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur vor den Quali-Spielen gegen die DFB-Elf am Dienstag (18.15 Uhr/ZDF) in Nürnberg und vier Tage später in Ried.
Mit Fuhrmann als Assistentin schaffte die ÖFB-Elf 2017 den Einzug ins EM-Halbfinale, der bislang größte Erfolg in ihrer Geschichte. Als die inzwischen 45-Jährige dann Chefin war (2020 bis 2024), ging‘s 2022 noch mal ins EM-Viertelfinale, seither aber stetig bergab. Bei der WM 2023 und EM 2025 fehlten die Österreicherinnen. „Jetzt ist sicher so eine Phase, wo wir schauen müssen, dass wir wieder den Anschluss finden“, fordert Fuhrmann.
Dass nach den Erfolgen mit Fuhrmann nicht mehr so viel zusammenläuft, hat auch strukturelle Gründe. Eine eigene Sportdirektorin, wie etwa Nia Künzer beim DFB, gibt es im ÖFB nicht. Generell mangelt es an Frauen in Führungsgremien. Die einzige Frau im ÖFB-Aufsichtsrat ist Isabel Hochstöger, die den Frauen- und Mädchenfußball leitet und Genderbeauftragte des Verbands ist. Ein Stimmrecht im Aufsichtsrat hat Hochstöger nicht.
In der Fläche fehlen Clubs, die Fußball für Frauen anbieten. „Wir haben definitiv zu wenig Mädchenteams“, sagt Fuhrmann. Das führe dazu, dass Mädchen, die irgendwann bei den Jungen-Mannschaften rausfallen, komplett mit dem Fußball aufhören, weil die Wege zum nächstgelegenen Verein zu weit sind und der Aufwand zu groß, erklärt die Ex-Nationaltrainerin.
Der Verband konzentriert sich vor allem auf die Spitzenförderung in der 2011 gegründeten ÖFB-Frauen-Akademie in St. Pölten (bei Wien), in die er pro Jahr die zehn talentiertesten Nachwuchs-Spielerinnen zwischen 14 und 19 Jahren aufnimmt – und nach eigenen Angaben 700.000 Euro jährlich investiert. „Das hat einen unheimlichen Mehrwert für uns gehabt, um die besten Talente gezielt auszubilden“, sagt Fuhrmann. Nun müssten aber weitere Schritte unternommen werden, um auch die Breite besser abzubilden.
17.000 Mädchen und Frauen spielen im ganzen Land Fußball. Da brauche es Strukturen, die mitwachsen, findet Fuhrmann. „Und das ist das, was in meinen Augen fehlt.“ Eine lizenzierte ÖFB-Akademie sei zu wenig, moniert sie. Eine U23 als Unterbau zur A-Nationalelf fehlt.DPA